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Die NZZ wird für die Nachwelt digital erfasst - alle bisherigen 225 Jahrgänge. NZZ

Die Neue Zürcher Zeitung verfügte schon immer über ausgezeichnete Werkzeuge zur inhaltlichen Erschliessung der Information.

Jetzt digitalisiert die NZZ, eine der ältesten Tageszeitungen der Welt, alle 225 Jahrgänge.

Die Digitalisierung des unvorstellbar umfangreichen Materials scheiterte bisher an den zu hohen Kosten. Noch vor drei Jahren hätte das Projekt mehrere Millionen Franken verschlungen.

Die technischen Verfahren zur Digitalisierung sind rascher, robuster, einfacher und damit erschwinglich geworden. Zu ihrem 225. Geburtstag hat sich die NZZ entschieden, das vielleicht grösste Presse- und Kulturnetzwerk deutscher Sprache zu realisieren.

Die Neue Zürcher Zeitung erscheint seit dem 12. Januar 1780. Schon früh gab es Bestrebungen, das Blatt mit Suchmitteln zugänglich zu machen. Seit 1871 liegt die NZZ systematisch archiviert auf Papier vor. Später kamen Dossiers, Mappen, Karteikarten und Registerbände dazu.

Du sollst dir ein Bildnis machen

«Das Archiv der NZZ war schon vor dem Zeitalter der Digitalisierung öffentlich», erklärt Rolf Brun, Leiter des ehrgeizigen Projekts gegenüber swissinfo.

Seit 1993 sind alle in der NZZ erschienenen Texte elektronisch archiviert, interessierten Kreisen und Abonnenten ist der Inhalt der Zeitung seither als reine Textvariante auch als CD/DVD zugänglich.

Bis im September 2005 sollen die rund zwei Millionen Seiten der NZZ digitalisiert sein. Das deutsche Fraunhofer-Institut für Medienkommunikation wird für über 900’000 Franken rund 1500 Rollen Mikrofilm bearbeiten.

«Mikrofilme sind nicht unverwüstlich. Mit der Digitalisierung sind die Daten für neue Zeiten vorerst gesichert», erklärt Projektleiter Brun.

Was tun mit dem Datenstrom?

In einem ersten Vorgang werden die Seiten automatisch als Bilder gescannt, dann verwandelt eine Texterkennungs-Software die Artikel in durchsuchbare Texte. Dabei entstehen Datenmengen in bisher unbekannter Grösse. Die NZZ musste auf ihrem Intranet für über 300’000 Franken zusätzlichen Speicherplatz (10 Tera-Bytes) bereitstellen.

Noch ist nicht klar, was die NZZ mit dem enormen Datenstrom tun will. «Die Digitalisierung der 225 Jahrgänge der NZZ stellt vorerst eine interne Lösung des Blatts dar. Wir wollten das Vorhaben nicht weiter verschleppen. Ob der Inhalt der vollständig digitalisierten NZZ der Öffentlichkeit einst zugänglich sein wird, ist noch nicht entschieden», meint Projektleiter Brun.

Abrechnung und Verkauf

Entscheidend wird sein, ob es für den elektronischen Abruf des gigantischen Materials leicht zu handhabende Abrechnungsverfahren geben wird. Die Perspektiven sind viel versprechend.

«Anlässlich der Feier zum 225. Geburtstag der NZZ haben wir einen Testlauf mit 5000 aufbereiteten Seiten gemacht. Der Zuspruch war gross», erklärt Brun. Institutionen, Universitäten und Medienunternehmen dürften grosses Interesse am einmaligen Zeitungsarchiv haben.

Mit der Digitalisierung der 225 Jahrgänge schafft die Neue Zürcher Zeitung im deutschsprachigen Raum ein einmaliges kulturelles Gedächtnis, das in die Tiefe der Zeit vorstösst.

Im Internet scheint medial alles machbar, bewahrbar und abrufbar. Es wird aber vergessen, dass die durchschnittliche Lebensdauer eines Dokuments im Netz weniger als drei Monate beträgt.

Per Maus-Klick in 225 Jahre eintauchen

Mit der Digitalisierung von mehr als 2 Millionen Zeitungsseiten könnte es bald möglich sein, Texte, Bilder, Grafiken und Statistiken aus ferner Zeit per Maus-Klick auf den Bildschirm zu zaubern.

Erwin Dettling, Zürich

Das IMK:
Das Fraunhofer-Institut für Medienkommunikation (IMK) forscht und entwickelt im Bereich der neuen digitalen Medien in all ihren Facetten der Inhaltsgestaltung, Produktion, Distribution und Interaktion.

Ziel des Instituts ist, die Möglichkeiten der neuen Medien zu erweitern, ihr kreatives, innovatives und soziales Potential zu erforschen und neue Anwendungsfelder zu erschliessen.

Das Institut beschäftigt rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus zehn Ländern, unter ihnen Informatiker, Ingenieure, Physiker, Mathematiker, Biologen, Geologen, Medienkünstler, Designer, Juristen, Wirtschafts- und Geisteswissenschaftler.

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