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Massenentlassung bei ABB

8 Prozent der ABB-Belegschaft soll entlassen werden. Keystone

Der Technologie-Konzern ABB will 12'000 Stellen streichen. Das sind 8% aller Arbeitsplätze. Laut ABB-Management soll der Abbau innerhalb der nächsten 18 Monate durchgeführt werden. Grund dafür ist ein Gewinneinbruch von 76% im letzten Halbjahr. Unklar ist noch, wie die Schweiz davon betroffen ist.

Der Stellenabbau betreffe sämtliche Länder und alle Geschäftsfelder, sagte ABB-Sprecher Thomas Schmidt. Ein Drittel des Stellen-Abbaus soll durch natürliche Fluktuation erfolgen, zwei Drittel durch Entlassungen. ABB erhofft dadurch jährliche Kosten-Einsparungen von rund 500 Mio. Dollar. Die Kosten für die Stellenreduktion werden ebenfalls auf rund 500 Mio. Dollar geschätzt.

ABB begründet die Massnahme mit «schwierigen Markt-Bedingungen». ABB hat im ersten Halbjahr 2001 bei einem stagnierenden Umsatz von 11,099 Mrd. Dollar einen massiven Gewinneinbruch erlitten: Der Reingewinn sank um 76% auf 266 Mio. Dollar, wie ABB mitteilte.

Unklare Situation in der Schweiz

Es sei noch zu früh, Aussagen über die Schweiz zu machen, sagte Schmidt. Der Konzern wolle zuerst eine wirtschaftliche Analyse der Geschäftsfelder vornehmen. Die konkreten Massnahmen sollen jedoch so schnell wie möglich umgesetzt werden.

ABB habe die «Massnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit» eingeführt, da in den nächsten zwölf Monaten mit schwierigen Marktbedingungen zu rechnen sei, wird ABB-Konzernchef Jörgen Centerman in einer Medienmitteilung zitiert. Der Stellenabbau soll innerhalb der nächsten 18 Monate erfolgen.

Ziele angepasst

Das Ergebnis des ersten Halbjahres 2001 zeigt in den Konzernbereichen einen deutlichen Ertragsrückgang; Ausnahmen bilden die Bereiche Öl, Gas und Petrochemie sowie Finanz-Dienstleistungen. Der Reingewinn sank, der Auftragseingang ebenfalls: Um 7% auf 12,648 Mrd. Dollar. Der Konzernumsatz verharrte auf dem Niveau von knapp über 11 Mrd. Dollar.

Die Ergebnisse würden das unsichere Investitionsklima widerspiegeln, nachdem die Konjunktur-Verlangsamung nun auch auf Europa und Asien übergegriffen habe, sagte Centermann.

Nach dem erfolgten Gewinneinbruch reduzierte ABB seine kurz- und mittelfristigen Ziele. Der Gewinn im Jahr 2001 werde niedriger ausfallen als erwartet. Bis zum Jahr 2005 solle die Gewinnmarge bei 9 bis 10% liegen, anstatt der zuvor anvisierten 15%. Der Umsatz soll jährlich um 6% gesteigert werden.

Das Halbjahresergebnis von ABB lag nur leicht unter den Prognosen von Analysten. Auch über einen Stellenabbau war bereits spekuliert worden, nachdem direkte Konkurrenten wie Emerson Electric und Rockwell International ihrerseits die Reduktion ihrer Gewinnaussichten mit Entlassungen begleitet hatten. Dass ABB seine Ziele reduziert, sei auch ein Versuch, die Glaubwürdigkeit des Managements zu bewahren, sagte Allesandro Migliorini von der Bank Pictet auf Anfrage. ABB blicke schweren Zeiten entgegen.

Negative Reaktionen

Die schlechten Halbjahres-Ergebnisse des Technologie-Konzerns lösen weitherum negative Reaktionen aus. ABB übt mit dem Abbau von 12’000 Stellen aus der Sicht der Gewerkschaft Angestellte Schweiz (VSAM) Aktienpflege auf dem Buckel der Beschäftigten. Er sei überrascht über die Höhe von 12’000 abzubauende Stellen, sagte Stephan Preisch vom VSAM. Es erstaune ihn, dass ein Konzern wie ABB nicht besser auf wirtschaftliche Marktbedingungen reagieren könne als mit einem Stellenabbau.

Offiziell sei der VSAM als Sozialpartner bislang nicht informiert worden, sagte Preisch weiter. Bei der Ausarbeitung der Rahmen-Bedingungen für den Stellenabbau müssten die Sozialpartner hinzugezogen werden. Er gehe davon aus, dass die Kosten für den Stellenabbau höher ausfallen werden. (ABB rechnet mit 500 Mio. Dollar.)

Auch die Börse reagiert negativ: Die ABB-Aktien sind auf ein Jahrestief abgerutscht (siehe Link). Die Korrektur der Ziele für den Betriebsgewinn komme einer Gewinnwarnung gleich, sagte eine Analystin.

swissinfo und Agenturen

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