Mythos Swissair – von aussen betrachtet
In der Schweiz gerät der Mythos um die nationale Fluggesellschaft Swissair mehr und mehr ins Wanken. Wie aber denkt man im Ausland über die Schweizer Airline? Immer noch vorwiegend positiv, wie swissinfo von ausländischen Luftfahrt-Experten erfahren hat.
«Natürlich hat es sich herumgesprochen, dass es der Swissair wirtschaftlich schlecht geht», sagt der deutsche Luftfahrt-Journalist Jens Flottau. Er glaube allerdings nicht, dass dies Auswirkungen auf das Image habe, das die Leute vom «Produkt Swissair» haben. «Die Swissair hat, was das Produkt angeht, immer noch ein tolles Image. Wahrscheinlich immer noch das beste unter den europäischen Airlines.»
Das gute Image stützt sich laut Flottau zum einen auf die Vorstellung eines hochqualitativen Services. Allerdings: «Ich glaube, das Image ist viel besser, als es das Unternehmen im Moment rechtfertigt. Wenn man genau hinschaut, dann finde ich, dass nur die Firstclass das Image verdient. Da hat Corti ja auch erkannt, dass dringend etwas zu tun ist.» Im weiteren habe Swissair nach wie vor ein hervorragendes Image, was Sicherheit angehe. «Und das auch zu recht», meint Flottau.
Die Strategie, welche die Swissair am Montag ankündigte, deute genau in die richtige Richtung, meint Jens Flottau weiter. Warum zum Beispiel sollte die Schweiz beim bestehenden kleinen Markt zwei Airlines haben? Er weist auch darauf hin, dass mittelgrosse Unternehmen wie die Swissair in Zukunft nicht mehr mit riesigen Unternehmen wie etwa British Airways, Air France oder Lufthansa konkurrieren können.
Italien: «Gute Chancen für die Zukunft»
Der gute Ruf der Schweizer Fluggesellschaft sei im Ausland unter Druck geraten. Das ist die Meinung von Vinico Gasparri, Experte für Zivilflugfahrt bei der italienischen Wirtschafts-Zeitung «Il Sole 24 Ore». «Die Ursache der jetzigen Schwierigkeiten von Swissair ist unter den Fachleuten erkannt. «Sie liegt ganz klar in den Management-Fehlern der vorherigen Leitung», sagt Gasparri.
Aber mit Cortis Restrukturierungs-Massnahmen habe die Swissair gute Chancen für die Zukunft. Als besonders wichtig gelten unter Spezialisten die hohen Sicherheits-Standarts, die über dem Durchschnitt lägen. «Die Geschichte zeigt, dass die Swissair eine Gesellschaft mit elitärem Anspruch und Effizienz ist.» Werte, auf welche die Swissair auch zukünftig setzen müsse, meint Gasparri.
Die Fusion von Crossair und Swissair sei die richtige Richtung, fährt der Journalist fort. «In erster Linie kommt es dadurch zu beachtlichen Einsparungs-Möglichkeiten. Zudem wird die Erfahrung der Crossair sehr wichtig sein, da diese in den regionalen Strecken in Europa Spitzen-Positionen erreicht hat.»
Belgien: Swissair-Bild von Sabena überschattet
In Belgien, wo die Fluggesellschaft Sabena beheimatet ist, hegt man für die Swissair seit längerem wenig positive Gefühle. Patrick Anspach, Luftfahrt-Spezialist bei der Finanz-Zeitung «L’Echo», betont jedoch, dass Sabena schon lange mit Problemen gekämpft habe. «Wir dachten, dass ein Partner wie die Swissair mit einem Schlag unsere Probleme lösen würde. Die Swissair gilt als mächtige Gesellschaft mit einer guten Reputation.»
Man habe erst später den eigenen Irrtum erkannt, erklärt Patrick Anspach. «Unser Nationalgefühl ist wegen der Sabena verletzt. Und jetzt schieben wir den Fehler der Swissair in die Schuhe.»
Die schlechte Erfahrung, die man mit der Swissair machte, vermochte das insgesamt positive Bild letztlich jedoch nicht zu trüben. Laut Anspach kommt es in Belgien nämlich niemandem in den Sinn, die Swissair als unsicher zu bezeichnen, oder zu behaupten, sie könnte verschwinden.
Frankreich: Gutes Image
In Frankreich ist das Bild der Swissair ungebrochen gut. «Das Bild, das man sich von einer Airline macht, ist etwas, das sich langsam ändert», gibt sich Pierre Condom, Chef der Zeitschrift «Interavia», überzeugt. «Und das der Swissair bleibt gut.»
Und die Zukunft? «Das Bild, das sich jemand von einer Gesellschaft macht, hängt vom letzten mit ihr getätigten Flug ab», erklärt Pierre Condom. Die Mehrheit der Passagiere würde ein bis drei Mal jährlich ein Flugzeug benützen. «Die meisten Leute tragen ein verhältnismässig altes Bild in sich.» Condom fordert, dass die Schweizer Airline wieder jene Swissair werde, die sie einst war. «Nur so lässt sich verhindern, dass das neue Bild von der Erfahrung abweicht.»
Und noch ein Grund, den Standard der Swissair zumindest zu halten: «Oft ist die Luftfahrt-Gesellschaft eines Landes eine Art Botschafterin im Ausland», sagt Condom. Demnach sei die Swissair sehr wichtig für das Bild der Schweiz im Ausland. Um das positive Bild jenseits der Landesgrenze zu erhalten, dürfe man beim Repräsentieren nicht mehr weiter abbauen.
swissinfo
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch