Nationalbank senkt Leitzins
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) senkt ihren Leitzins mit sofortiger Wirkung um einen halben Prozentpunkt. Das Zielband für den Dreimonate-Libor wird damit auf 0,25 bis 1,25 Prozent reduziert.
Die Nationalbank will den Zins bis auf weiteres im mittleren Bereich des Zielbands halten. Der überraschende Schritt wurde mit Anzeichen aus dem In- und Ausland begründet, dass sich die Konjunktur-Erholung verzögere und das Wirtschaftswachstum dieses Jahr niederiger als bisher erwartet ausfallen werde. Es ist die zweite Zinssenkung in diesem Jahr.
Wachstum deutlich weniger als ein Prozent
Die Nationalbank rechnet gemäss ihrer Mitteilung vom Freitag nun mit einem Anstieg des realen Bruttoinlandprodukts von deutlich weniger als einem Prozent im laufenden Jahr. Bisher hatte sie ein Wachstum von rund einem Prozent vorausgesagt.
Die Währungshüter verwiesen auch auf die weitere reale Höherbewertung des Schweizer Frankens, die zu einer Verschärfung der monetären Rahmenbedingungen geführt habe. Dies sei unter den gegenwärtigen Umständen klar unerwünscht. Die neuerliche Lockerung der Geldpolitik stelle kurz- und mittelfristig keine Gefahr für die Preisstabilität dar.
Börsenturbulenzen als Risikofaktor
Die Erstarkung des Frankens widerspiegle die anhaltenden wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten, die auch an den internationalen Aktienmärkten zu einem Vertrauensverlust geführt hätten, heisst es in der SNB-Mitteilung weiter.
Die Turbulenzen an den Börsen könnten zu einem Risikofaktor werden, falls sie wider Erwarten anhalten sollten. Die Nationalbank verfolgt die wirtschaftliche Entwicklung nach eigenen Angaben mit grosser Aufmerksamkeit.
Es handelt sich um die sechste Leitzinssenkung der Nationalbank in Serie. Innerhalb von 17 Monaten wurde das Zielband für den Geldmarktzins um 2,75 Prozentpunkte reduziert.
Die letzte Korrektur datiert vom vergangenen 2. Mai, als der Satz ebenfalls um einen halben Punkt zurückgenommen worden war. Das neue Niveau ist das tiefste seit der Einführung des neuen Konzepts der SNB-Geldpolitik von Anfang 2000.
Wird EZB nachziehen?
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat eine Stellungnahme zur Zinssenkung der Schweizerischen Nationalbank und zu Marktgerüchten über eine koordinierte Lockerung der Politik der Notenbanken abgelehnt.
An den Finanzmärkten waren nach dem Schritt der SNB Spekulationen aufgekommen, die Zinssenkung in der Schweiz könnte der Beginn einer Runde koordinierter Zinssenkungen der Zentralbanken sein.
swissinfo und Agenturen
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