Neue Crossair – wer steigt ein?
Die Suche nach Geldgebern für die Übernahme von Swissair-Flugzeugen durch die Crossair ist am Montag unter Hochdruck fortgeführt worden. Bisher mit wenig Erfolg.
Konkrete Zusagen sind am Montag ausgeblieben. Die Wirtschaft will in den nächsten Tagen prüfen, ob und wie sie sich an der neuen Fluggesellschaft beteiligen will.
Verschiedene Kantone zeigen grundsätzlich am Aufbau einer neuen Schweizerischen Fluggesellschaft Interesse. Die beiden Basel und der Kanton Jura prüfen ein finanzielles Engagement.
Crossair-Spitze für Maximal-Variante
Crossair-Chef André Dosé hatte am Sonntag drei Varianten zum Erhalt einer Schweizer Fluggesellschaft vorgelegt: die Maximal-Variante mit der Übernahme von je 26 Lang- und Kurzstrecken-Flugzeugen der Swissair, eine mittlere Variante mit 15/26 Flugzeugen und die Nullvariante ohne neue Flugzeuge. Die Crossair-Spitze favorisiert die Maximal-Variante.
Noch kaum Zusagen
Falls die Maximal-Variante zum Zug kommt, braucht die Crossair zwischen 800 Mio. und 1,5 Mrd. Franken neues Kapital. Von der Wirtschaft hat sich bisher lediglich Amag-Gründer Walter Haefner konkreter geäussert: Er will 200 Mio. Franken an eine neue Fluggesellschaft beisteuern.
Positive Signale gab es vom Zementkonzern Holcim, der neue Aktien kaufen will, falls andere Firmen mitmachen. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) prüft ebenfalls einen Einstieg bei der neu entstehenden nationalen Fluggesellschaft.
Kein weiteres Engagement der Grossbanken
Die Grossbank UBS, die nach dem Kauf des Crossair-Aktienpakets von der Swissair 35,9% an der Crossair hält, will sich nicht an einer Kapital-Erhöhung beteiligen. Die Limite des Engagements sei erreicht, sagte UBS-Sprecher Christoph Meier.
Auch für die Credit Suisse Group (CSG) sei die Grenze des Vertretbaren erreicht, sagte CSG-Mediensprecher Andreas Hildenbrand. Die CSG hält 34,5% an der Crossair. In der Zwischenzeit arbeiten die Banken unter Hochdruck an Lösungen zur Überweisung der angekündigten 250 Mio. Franken an das flugverwandte Geschäft.
Spezialisten gehen über die Bücher
Der Bund und die Wirtschaft lassen nun den Businessplan durch unabhängige Spezialisten überprüfen, wie das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) am Montag mitteilte. Realisiert werden könne das Projekt nur von öffentlicher Hand und Privatwirtschaft gemeinsam.
Ähnlich äusserte sich auch Bundespräsident Moritz Leuenberger im «Echo der Zeit» von Schweizer Radio DRS. Es habe am Sonntagabend eine Aussprache mit der Wirtschaft gegeben. Das Gespräch mit der Wirtschaft dauere an. Für Mittwoch wird ein Entscheid des Bundesrat in der Frage der Finanzierung erwartet.
An der Börse haben die Aktien der Swissair 9,77% auf 6,0 Franken nachgelassen. Die Crossair-Aktien schlossen mit 295 Franken auf dem Stand vom Freitag. Der Handel bleibe weiterhin volatil, hiess es in Bankenkreisen.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch