Neue Investoren für Swissair?
Zwei Wochen vor dem Start der neuen Airline swiss sind offenbar immer noch Rettungs-Bemühungen für die Swissair im Gang.
Der Swissair-Sprecher Rainer Meier bestätigte, dass eine Investoren-Gruppe der Swissair ein Angebot unterbreitet habe. Einen Bericht der «NZZ am Sonntag», wonach es sich bei den Investoren um die amerikanisch-niederländische Beratungsfirma Berkeley Group mit Sitz Bethesda (USA) handeln soll, wollte er nicht bestätigen.
Zum Namen der Investoren und zu Details des Rettungsversuchs würden keine Angaben gemacht. Laut Meier hat SAirGroup-Präsident Mario Corti aber den Verwaltungsrat, den Sachwalter und den Bundesrat informiert.
Vage Vorstellungen
Der Delegierte für Kommunikation im Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD), Daniel Eckmann, sagte, dass eine Swissair-Delegation vor rund zehn Tagen mit dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) Kontakt aufgenommen habe. Dabei habe die Delegation nur grobe Umrisse zum Rettungsversuch skizziert, ohne konkrete Angaben zu den Investoren oder zu allfälligen Übernahmemodalitäten zu machen.
Nach dieser laut Eckmann «sehr schemenhaften Präsentation» haben die Bundesräte Moritz Leuenberger und Kaspar Villiger dem SAirGroup-Präsident Corti sofort geschrieben und ihn an die Verpflichtungen erinnert, welche die Swissair im Hinblick auf den Aufbau der auf dem Modell Phoenix plus basierenden neuen Airline eingegangen sei.
Keine Gefahr für swiss
Eckmann betonte im weiteren, dass der Bundesrat keinen Zweifel daran lasse, dass die neue Airline swiss heisse und, dass sie fristgerecht abheben werde. Dies auch vor dem Hintergrund, dass der Bundesrat nach dem Zusammenbruch der Swissair im vergangenen Oktober im öffentlichen Interesse einen Überbrückungskredit von 1,5 Mrd. Franken zur Aufrechterhaltung des Langstrecken-Betriebs bereitgestellt habe.
Dies sei für private und öffentliche Investoren die Basis für ihre Beteiligung am Aktienkapital der neuen swiss gewesen. Allein der Bund hat weitere 600 Mio. Franken in die neue swiss investiert.
Laut Eckmann würde wohl niemand verstehen und akzeptieren, wenn nach erfolgreicher und professioneller Aufbauarbeit, nach gewaltigen öffentlichen und privaten Investitionen und entgegen dem Sinn und Geist von beidseitig unterzeichneten Verträgen, aber auch in letzter Minute noch an Konkurrenzprodukte zur neuen Airline swiss gedacht würde.
Swissair nicht mehr überlebensfähig
Möglich wäre laut Eckmann aber unter dem Vorbehalt des Vorkaufsrechts der Crossair ein Kauf des Brands «Swissair». Nicht möglich ist hingegen die Weiterführung oder Übernahme des Luftverkehrs der Swissair, weil die Crossair inzwischen die Flotte und die Strecken-Konzessionen der Swissair für das Modell 26/26 übernommen hat. Der Ende März noch verbleibende «Rumpf» der Swissair wäre gar nicht mehr bewilligungsfähig.
swissinfo und Agenturen
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