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Ombudsman: Banken respektieren Kunden zuwenig

Der Schweizer Banken-Ombudsman Hanspeter Häni. Keystone Archive

Banken-Ombudsman Hanspeter Häni warnt die Schweizer Banken vor dem Missbrauch des Kundenvertrauens. Gleichzeitig ruft er die Kunden zu mehr Sorgfalt im Umgang mit den Banken und zu mehr Vorsicht beim so genannten E-Banking auf.

Die Zahl der Anfragen, die letztes Jahr an den schweizerischen Banken-Ombudsman gerichtet wurden, stieg letztes Jahr weniger rasch als in den Vorjahren. Sie erreichte 1’605 und lag damit um zehn Prozent über dem Vorjahreswert, wie Häni am Dienstag (10.07.) an der Jahresmedienkonferenz in Zürich mitteilte. Dies sei viel weniger eine Trendwende als die Anerkennung des Banken-Ombudsmans als unabhängige Schlichtungsstelle.

Gegen 800 Fälle wurden auf dem Korrespondenzweg erledigt. In 78 Fällen korrigierten Banken Fehler vollumfänglich, in 59 Fällen wurden Kompromisse geschlossen. Der Streitwert lag laut Häni zwischen fünf Rappen und mehreren Millionen Franken.

Banken nehmen Kunden nicht ernst

Viele Fälle zeigten, dass das Kundenvertrauen leichtfertig aufs Spiel gesetzt und Reklamationen nicht ernst genommen würden. So hatte laut Häni eine ausländische Kundin die Rückzahlung von 53’000 Dollar aus einer Dollar-Anleihe schriftlich in Originalwährung auf ein Konto in Luxemburg verlangt; statt dessen wurde das Geld zuerst in Franken und dann in D-Mark gewechselt, weil die Kundin angeblich kein Dollar-Konto besessen habe. Die Wechselkurse wurden der Kundin auf Intervention des Ombudsmans zwar ersetzt. «Ihr Vertrauen in die Bank konnte aber nicht wieder hergestellt werden», sagte Häni.

Eine andere Bank hatte ihren Hypothekar-Schuldnern unter Missachtung der üblichen Kündigungsfrist von sechs Monaten im November mitgeteilt, die Hypothekarzinsen würden künftig viertel- statt halbjährlich belastet und im folgenden März fällig.

Als «geradezu zynisch» bezeichnete Häni die Auskunft der Bank, wer nicht reklamiere, sei mit der Nichtbeachtung der Kündigungsfrist einverstanden. Eine Bank dürfe nicht wissentlich von der Unkenntnis der Kunden profitieren. Er verwies auch auf die Praxis, Bruchteile von Rappenbeträgen automatisch auf den nächsten Fünfer abzurunden.

Verträge prüfen

Häni ermahnt die Kunden, die Bedingungen und Verträge zu prüfen. Besondere Sorgfalt sei im elektronischen Verkehr mit der Bank (E-Banking) angezeigt. Mehr als einem Kunden habe er nicht helfen können, wenn beim Eintippen eines Börsenauftrags eine Kommastelle verrutscht und die Auftragsbestätigung blindlings angeklickt worden sei.

Nachrichtenlose Vermögen

Neben seiner Vermittlerrolle ist der Ombudsman auch Anlaufstelle für Personen, die nach nachrichtenlosen Vermögen auf Schweizer Banken suchen.

Im Jahr 2000 seien fünf Suchlisten mit insgesamt 227 Namen an die Banken verschickt worden, sagte Stefan Peter, Leiter der Anlaufstelle. In 14 Fällen hätten die Banken eine Übereinstimmung mit den eigenen Daten zu nachrichtenlosen Konten gehabt.

Vermittler zwischen Kunden und Banken

Der Schweizerische Banken-Ombudsman versteht sich als Vermittler zwischen Publikum und Banken. Die Stiftung wurde von der Schweizerischen Bankiervereinigung initiiert, finanziert wird sie von den Banken. Zwangsmittel stehen ihr nicht zur Verfügung.

Der Banken-Ombudsman ist seit Dienstag im Internet. Anfragen werden jedoch nicht als E-Mails entgegen genommen. «Die Datensicherheit ist nicht gewährleistet», sagte Häni.

swissinfo und Agenturen

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