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Rekordaufmarsch für die «Boillat»

Einwohner aus der Region manifestieren ihre Solidarität mit den streikenden Swissmetal-Angestellten. Keystone

Am 18. Streiktag haben mehr als 10'000 Personen ihre Verbundenheit mit den Swissmetal-Angestellten im bernischen Reconvilier bekundet.

Die Teilnehmer der Demonstration, angereist aus der gesamten Jura-Region, verurteilten die Politik der Swissmetal-Direktion aufs Schärfste.

Die Streikenden des Swissmetal-Werks in Reconvilier im bernischen Jura haben am Samstag starke Unterstützung aus der Bevölkerung erhalten. Rund 10’000 Menschen kamen, um ihre Solidarität mit den Angestellten der Giesserei auszudrücken.

Die Kundgebungsteilnehmer, darunter auch Politiker von Links und Rechts, versicherten den Streikenden ihre Unterstützung und kritisierten die Swissmetal-Führung.

Die Kundgebung unter dem Motto «Das ist unsere Region, wir sind alle betroffen» fand auf dem Parkplatz vor dem bestreikten Werk statt. «Die Boillat wird leben», skandierten die Teilnehmer. Polizei wie Demonstranten schätzten, dass mehr als 10’000 Personen dem Aufruf gefolgt waren.

Notwendiger und gerechter Kampf

«Unser Kampf ist notwendig und gerecht», rief Nicolas Wuillemin, Präsident der Personalvertretung, unter Beifall. «Wir kämpfen für unser Unternehmen und für die Zukunft unserer Kinder und der Region.» Er rief zur Solidarität mit den Streikenden auf.

Jean-Claude Rennwald, sozialdemokratischer jurassischer Nationalrat und Vizepräsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, rief den von Bundesrat Joseph Deiss berufenen Mediator Rolf Bloch, aber auch die Behörden von Bund und Kanton, die Wirtschaft und die Gewerkschaften auf, einen Ausweg zu finden.

Er selbst sehe nur zwei Lösungen, sagte Rennwald. Entweder bleibe der Standort Reconvilier erhalten oder das Unternehmen werde von anderen Investoren übernommen.

Flavio Torti, der Gemeindepräsident von Reconvilier, kritisierte Swissmetal-Konzernchef Martin Hellweg scharf. Dessen Strategie führe zur «Opferung» der «Boillat». Andere Redner der Gewerkschaft Unia hoben den nationalen Charakter des Streiks hervor, von dem Angestellte aus der ganzen Schweiz betroffen seien.

Verstärkter Druck

Zweieinhalb Wochen nach dem Beginn des Streiks hat die Swissmetal-Führung am Freitag, mit dem Kauf des Metallverarbeiters Busch-Jaeger im westdeutschen Lüdenscheidt, den Druck auf die Belegschaft in Reconvilier weiter erhöht.

Die Erzeugnisse der bereits von 1990 bis 2002 zur Swissmetall gehörenden Firma sollen sich zu 90% mit jenen von Reconvilier decken.

Weiter ist es ab kommendem Montag 24 Swissmetal-Kaderleuten und einem Unia-Geschäftsleitungsmitglied verboten, den Zugang zum Swissmetal-Werk in Reconvilier zu behindern. Dies besagt eine superprovisorische Verfügung des Bezirksgerichts Moutier auf Begehren der Swissmetal-Direktion.

«Hart durchgreifen»

Friedrich Sauerländer, Verwaltungsratspräsident der Swissmetal-Gruppe, drohte den Streikenden am Samstag mit der Entlassung, falls sie ihre Arbeit nicht wieder aufnähmen. «Wir haben keine andere Wahl als hart durchzugreifen», sagte er gegenüber der «Samstagrundschau» von Radio DRS.

Sauerländer ist einverstanden, dass die neue Situation nun mit dem von Bundesrat Joseph Deiss ernannten Mediator Rolf Bloch durchleuchtet wird.

Eine Lösung mache aber nur dann Sinn, wenn sie auch den Anforderungen des Marktes und der Kunden entspreche.

swissinfo und Agenturen

25.01.06: Die Arbeitenden des Swissmetal-Werkes in Reconvilier lancieren ihren 2. Streik innerhalb eines Jahres. Sie opponieren gegen die vom Management Ende 2005 angekündigten Restrukturierungen.

09.02.2006: Die Direktion kündigt den beschleunigten Abbau von 120 Arbeitsplätzen in Reconvilier an.

Rolf Bloch wird am selben Tag von Bundesrat Joseph Deiss zum Mediator ernannt.

10.02.06: Swissmetal gibt den Kauf einer Ex-Filiale (Busch-Jaeger) in Deutschland bekannt.

Swissmetal stellt hochwertige Produkte aus Kupfer und Kupferlegierungen her für die Elektronische, die Automobil-, die Schreibwaren und Uhren-Industrie sowie für Luftfahrt und Telekommunikation.

Die Swissmetal Direktion strebt eine Kompetenzen-Konzentration zwischen den zwei Standorten in Reconvilier (Bern) und Dornach (Solothurn) an.

In Dornach soll die Giesserei konzentriert werden. In Reconvilier bliebe nur die Endbearbeitung im Bereich Drähte und Stangen beibehalten.

Unterstützt von ihren Führungskräften, Politikern und Einwohnern aus der Region, klagen die Angestellten die Direktion an, einen blühenden Industriestandort zu gefährden.

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