Roche mit bestem Resultat der Firmengeschichte
Der Basler Pharmakonzern Roche hat im ersten Halbjahr 2000 nach eigenen Angaben das beste Resultat seiner Firmengeschichte erzielt. Umsatz und Gewinn wurden auf neue Höchstwerte geschraubt. Roche-Finanzchef Meier geht in Pension.
Konzernchef Franz B. Humer strich an der ersten Halbjahresmedienkonferenz des Pharmariesen am Donnerstag (17.08.) die Gewinnentwicklung heraus. Der Konzerngewinn erreichte 6,203 Mrd. Franken – mehr als viermal so viel wie im ersten Semester 1999. Der Umsatz nahm um zehn Prozent auf 14,808 Mrd. Franken zu.
Der Betriebsgewinn wuchs mit plus 585 Prozent explosionsartig auf 5,242 Mrd. Franken. Die Abschreibungen schnellten um 324 Prozent auf 7,843 Mrd. Franken. Für Forschung und Entwicklung wurden mit 1,931 Mrd. Franken zehn Prozent mehr ausgegeben als im ersten Halbjahr 1999. Die Sachinvestitionen stiegen um 19 Prozent auf 936 Mio. Franken. Der Personalbestand sank um vier Prozent auf 63’865 Beschäftigte. Roche stellte für das ganze Jahr ein gutes Resultat in Aussicht.
Der Vorjahresvergleich ist durch viele Sonderfaktoren verzerrt. Gemäss angepassten Daten, die unter anderem den Gewinn aus dem Verkauf der Genentech-Aktien und die verselbständigte Givaudan ausklammern, stieg der Konzerngewinn noch um 13 Prozent auf 2,978 Mrd. Franken. Dies entspricht den Erwartungen der Analysten.
Der Gesamtumsatz wuchs um elf Prozent auf 13,679 Mrd. Franken. Die seit der Umsatzwarnung vom Juni mit Argusaugen beobachteten Verkäufe der dominierenden Pharmadivision stiegen um zehn Prozent auf 8,856 Mrd. Franken; in Lokalwährungen machte das Pharmawachstum aber nur zwei Prozent aus. Humer betonte, mit der Umsatzwarnung vom vergangenen 22. Juni, die Finanzanalysten übermittelt wurde, seien laut Börsenaufsicht weder Gesetze noch andere Bestimmungen verletzt worden.
Finanzchef geht in Pension
Im Roche-Topmanagement gibt es einen Generationenwechsel. Markantestes Ereignis ist dabei die Pensionierung von Finanzchef Henri B. Meier, der auf Ende Jahr nach 15-jähriger Tätigkeit für Roche zurück tritt. Der 64-jährige Finanzchef Meier gilt als genialer Finanz- und Anlagespezialist und steht hinter den seit Jahren ausgezeichneten Ergebnissen des Pharmakonzerns im Finanzgeschäft. Er bleibt im Roche-Verwaltungsrat. Neuer Finanzchef wird der 43-jährige Anton Affentranger, derzeit Teilhaber bei der Genfer Privatbank Lombard Odier.
Ein Argentinien-Schweizer
Der 43-jährige Anton Affentranger, seit Anfang 1999 geschäftsführender Teilhaber der Privatbank Lombard Odier & Cie. Er ist ursprünglich ein Argentinien-Schweizer.
Er tritt insofern ein schwieriges Erbe an, als sein Vorgänger, Henri B. Meier, wie erwähnt in Börsenkreisen als Finanzgenie gilt.
Nach seinem Ökonomiestudium trat Affentranger, der in Argentinien aufgewachsen war, 1981 in die damalige Schweizerische Bankgesellschaft (SBG) ein, wo er in verschiedenen Positionen im In- und Ausland (USA, Hongkong, Genf) tätig war und mit 39 Jahren jüngster Generaldirektor der Grossbank wurde.
Bei der Fusion der SBG mit dem Bankverein zur heutigen UBS wechselte Affentranger zur Genfer Privatbank Lombard Odier. Dort wurde ihm als erstem, nicht zu den Gründerfamilien gehörenden Manager die operative Führung des traditionsreichen Bankhauses anvertraut.
Auch nach seinem Wechsel zu Roche wird Affentranger Kommanditär- Partner von Lombard Odier bleiben. Sein Nachfolger bei der Genfer Privatbank wird der gegenwärtige Hauptdirektor Bernard Droux.
Neuer Chef der Pharmadivision
Ausserdem gibt Konzernchef Humer seine Funktion als Leiter der Pharmadivision ab und wird vom 53-jährigen Schotten William M. Burns abgelöst. Humer wolle sich auf die Leitung des Gesamtkonzerns konzentrieren, hiess es dazu. Ferner wurde der schweizerisch-amerikanische Doppelbürger Richard Laube in die Konzernleitung berufen.
Laut Humer wird der Roche-Konzern künftig von einem professionellen Team von acht Managern im Durchschnittsalter von 49 Jahren geführt. In der Konzernleitung seien künftig sechs Nationalitäten vertreten. Fünf Mitglieder hätten aber auch den Schweizer Pass.
swissinfo und Agenturen
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