Ruag ist Opfer der Unwetter
Der Rüstungs- und Technologie-Konzern Ruag verzeichnet für 2005 einen Verlust von 19 Mio. Franken. Der Hauptgrund sind die Unwetter im August.
Damit ist der bundeseigene Konzern zum ersten Mal in die roten Zahlen gerutscht. In den kommenden Jahren will Ruag das Aktionariat schrittweise öffnen.
Eigentlich hätte die Ruag 2005 gut gewirtschaftet: Ohne Sonder-Belastungen erzielte der frühere Rüstungsbetrieb des Bundes trotz höheren Energie- und Rohstoffpreisen ein operatives Ergebnis von 61 Mio. Franken. Das sind 8 Mio. mehr als im Vorjahr.
Einen Strich durch die Rechnung gemacht hat der Ruag das August-Unwetter: Es richtete im Werk Altdorf Schäden von 150 Mio. Fr. an, wie Konzernchef Toni J. Wicki sagte. Gut drei Viertel übernahmen die Versicherungen, 35 Mio. mussten in der Konzernrechnung verbucht werden.
Dazu kommen weitere Sonderbelastungen von 7 Mio. Franken, die aus der Schliessung der Metallverarbeitung in Thun resultieren. Damit ergab sich ein Betriebsgewinn (Ebit) von 19,1 Mio. Fr. und ein Reinverlust in etwa gleicher Höhe.
Rückzug aus Grosskaliberproduktion
Der Umsatz ging um 0,7% auf 1,194Mrd. Fr. zurück. Der Unternehmensbereich Electronics legte zu, die Luft- und Raumfahrt-Sparte sowie das Geschäft mit der Kleinkaliber-Munition hielt sich auf Vorjahrsniveau.
Ein weiterer Umsatzrückgang resultierte bei der Grosskalibermunition. Die Sparte rutschte weiter in die roten Zahlen, der Verlust betrug 16 Mio. Franken, verglichen mit einem Minus von 9 Mio. Fr. 2004.
Die Ruag will sich deshalb wie angekündigt bis Mitte 2007 aus diesem Geschäft zurückziehen. Es seien weiterhin Gespräche mit Übernahmeinteressenten im Gang, sagte Wicki.
Optimismus für 2006
Ins laufende Geschäftsjahr ist die Ruag mit einem um 7% höheren Auftragseingang gestartet. Wicki erwartet einen Betriebsgewinn «besser als jener von 2004».
Die Bemühungen der Ruag, ihr Geschäft wegen des Rückgangs der Armee-Aufträge stärker nach Drittkunden auszurichten, zeitigten Erfolg, sagte Wicki. Der Drittmarkt sei von 1999 bis 2005 von 13 auf 62% gewachsen, das Geschäft mit der Schweizer Armee machte 2005 damit noch 38 Umsatzprozente aus.
Airbus-Grossauftrag
Wicki kündigte einen weiteren Grossauftrag für den Airbus A380 von 30 Mio. Fr. an. Die Ruag fertigt für das Grossraumflugzeug bereits die äussere Flügelhinterkante. Neu kommt die Beplankung am Übergang vom Flügel zum Rumpf hinzu.
In Kürze präsentieren will Wicki das Ergebnis der eingeleiteten Überprüfung der Konzernstrategie. Eine Kehrtwende sei nicht geplant, das Portfolio solle jedoch weiter gestrafft werden.
Für schrittweise Privatisierung
Zur Frage der Bundesbeteiligung sagte Wicki, die Ruag wolle sich so positionieren, dass eine Öffnung des Aktionariats möglich werde. Aus Sicht der Konzernleitung mache «eine schrittweise Öffnung am meisten Sinn». Der Entscheid darüber liege aber beim Eigner.
Vom Rückzug aus dem Grosskalibergeschäft und von der bereits kommunizierten Schliessung der Metallverarbeitung in Thun sind 140 Mitarbeitende betroffen. Im Gegenzug konnten laut Wicki innert einem Jahr 60 neue Stellen in der Sparte Simulation, Führung und Kommunikation geschaffen werden.
Unter dem Strich beschäftigte die Ruag Ende Jahr 5577 Mitarbeitende, gegenüber 5550 Ende 2004. Gut zwei Drittel der Belegschaft entfallen auf die Schweiz.
swissinfo und Agenturen
Der Rüstungs- und Technologie-Konzern Ruag ging 1999 aus dem Rüstungsbetrieb des Bundes hervor.
Er gehört zu 100% der Eidgenossenschaft. Doch die Frage einer Öffnung stellt sich regelmässig.
In den vergangenen Jahren hat der Auftragsbestand der Schweizer Armee zugunsten von Drittkunden regelmässig zugenommen.
Der Konzern hat sich auch dank Übernahmen im Ausland weiterentwickelt.
Ruag beschäftigt total 5640 Personen, davon 3800 Personen in der Schweiz.
53% des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen im Ausland, vor allem in der EU (43%):
Verlust 2005: 19 Mio. Franken.
Gewinn 2004: 26 Mio. Franken.
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