Sachwalter lehnt Kredit der Banken ab
Die Swissair wird vorläufig ohne den Überbrückungs-Kredit der Grossbanken von 250 Mio. Franken auskommen müssen. Der provisorische Sachwalter Karl Wüthrich lehnt den Kredit in dieser Form als zu riskant ab. Die Banken überprüfen eine direkte Kreditwährung an die einzelnen Gesellschaften. Wüthrich geht davon aus, dass die Liquidität der Swissair ausreicht.
Auch bei einer extensiven Auslegung des Ermessens-Spielraumes habe er diesem Kredit nicht zustimmen können, sagte Sachwalter Karl Wüthrich am Freitag an einer Pressekonferenz in Zürich.
Wüthrich betonte jedoch, dass ein Kredit, wie ihn die beiden Grossbanken UBS und der Credit Suisse für die flugnahen Betriebe der Swissair in Aussicht gestellt hatten, aus Sicht der Swissair Group notwendig und aus volkswirtschaftlicher Sicht sinnvoll sei.
Risiko zu hoch
Als Begründung verwies Wüthrich auf die komplizierte Holdingstruktur der SAir Group. Insbesondere seien die finanziellen Verflechtungen und Verpflichtungen der einzelnen Gesellschaften derart komplex, dass die als Massenkredit für die SAirLines vorgesehenen 250 Mio. Franken ohne Garantie auf Rückzahlung in den einzelnen Betrieben versickern könnten.
Das Risiko daraufhin von den benachteiligten Gläubigern belastet zu werden, sei zu gross, sagte Wüthrich. Die Banken würden nun die direkte Kreditgewährung an die einzelnen flugnahen Betriebe prüfen.
Banken: Suche nach Ersatz-Kredit
Die UBS will sich für einen Ersatz für den abgelehnten Überbrückungs-Kredit einsetzen. Laut UBS-Sprecher Christoph Meier sind entsprechende Gespräche bereits im Gang. Zur möglichen Ausgestaltung des Überbrückungs-Kredites machte Meier keine Angaben.
Die UBS und die CSG hatten die Kreditgewährung unter anderem an die Bedingung geknüpft, dass Aktien der Swissair-Tochtergesellschaften Gate Gourmet, Nuance und Swissport verpfändet werden.
Bei der Swissair Group hiess es, man werde «in absehbarer Zeit» die Mittel in der von den Banken zugesagten Grössenordnung für die flugnahen Bereiche benötigen. In welcher Form sie flössen, müsse der Sachwalter entscheiden, sagte Swissair-Sprecher Erwin Schärer.
Der Kommunikationschef des Eidgenössischen Finanzdepartements (EFD), Daniel Eckmann, bezeichnete die Signale der Banken als ermutigend.
Liquidität reicht bis Ende Oktober
Wüthrich sagte an der Pressekonferenz weiter, die Liquidität der Swissair werde täglich überprüft. Nach seinem Ermessen sollten die finanziellen Mittel bis zum 28. Oktober reichen. Falls eine Gesellschaft die Löhne nicht mehr bezahlen könne, würde er den Antrag auf Widerruf der Nachlass-Stundung stellen und es käme zur Einleitung des Konkurses.
Der Sachwalter erinnerte daran, dass er ausschliesslich die Interessen der Gläubiger der sechs Firmen SAirGroup, SAirLines, Fligthlease, Swissair, Swisscargo und Cragologic zu wahren habe.
Bundesrat will mit Parteien Vorgehen diskutieren
Der Bundesrat will mit den Vertretungen der Bundesratsparteien das weitere Vorgehen im Zusammenhang mit Swissair und Crossair diskutieren, sobald die Entscheidungs-Grundlagen vorliegen. Diese würden erarbeitet von den betroffenen Unternehmen und der Task Force des Bundes. Voraussichtlich nächste Woche werde man eine Standort-Bestimmung vornehmen können, gab die Bundeskanzlei am Freitag bekannt.
Die Regierung habe die dramatische Entwicklung sowie die Arbeiten der verschiedenen Task Forces intensiv mitverfolgt. Die Task Force des Bundes zur Unterstützung des Aufbaus der neuen, geplanten schweizerischen Airline wird am Sonntag in Bern zu einer weiteren Sitzung zusammentreffen.
Schon am Freitagabend kommen Delegationen der Bundesrats-Parteien zu Gesprächen über das Swissair-Debakel zusammen.
Arbeiten am Crossair-Businessplan dauern an
Die Crossair hat derweil auch am Freitag mit Hochdruck am Business-Plan für die neue Fluggesellschaft gearbeitet. Die Rechenarbeiten würden auch am Wochenende weitergeführt, erklärte Crossair-Sprecher Manfred Winkler.
Bei der Integration von Teilen der Swissair sei nach wie vor die Übernahme von 26 Lang- und 26 Kurzstreckenflugzeugen das Ziel, sagte er. Gleichzeitig würden jedoch Varianten gerechnet. Es wäre fatal, nur in eine Richtung zu denken, sagte Winkler weiter.
swissinfo und Agenturen
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