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SAir: Börse präsentiert Quittung

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Die angekündigte Redimensionierung der SAirGroup vermag offenbar nicht zu überzeugen, das Drei-Milliarden-Loch ist eben sehr tief: Der Aktienkurs brach um einen Viertel ein, die Klagen sind weiter nicht vom Tisch und die ausländischen Gewerkschaften drohen mit Kampfmassnahmen.

Am Dienstag (03.04.) wurde der Handel mit den SAir-Aktien wieder aufgenommen: innert Minuten brach der Kurs um einen Viertel auf 132 Franken ein. Im laufe des Morgens sank der Kurs weiter: Kurz vor elf Uhr lag er bei 128,75 Franken, was einem Einbruch von 27,46% entspricht. Im ausserbörslichen Handel war die SAir indessen schon am Montag stark unter Druck gekommen. Bei den Analysten war die neue Strategie der Luftverkehrs-Holding auf Zurückhaltung gestossen: Die getätigten Verkäufe seien nur ein Tropfen auf den heissen Stein.

Zudem wurde die mangelnde Informationen zur Rekapitalisierung bemängelt. Genauere Angaben zum Bankenkonsortium, das das notwendige Geld einschiessen soll, stellte SAir-Chef Corti erst auf die Generalversammlung von Ende April in Aussicht.

Doch nicht nur die Börsenwelt reagierte. Am Montag (02.04.) hatten schon verschiedene Share und Stake Holders ihrem Unwillen kund getan:

Die Eidgenossenschaft als Minderheitsaktionärin mit 2,9% bedauere den Substanzverlust bei der SAirGroup, wie ein Sprecher mitteilte. Eine Arbeitsgruppe des Bundes kläre mögliche rechtliche Schritte mit Blick auf die Generalversammlung ab.

Für die Schutzvereinigung der Kleinanleger, sind die strategischen Ziele Cortis überzeugend. Die Sonderprüfung gegen die Spitze des Flugkonzerns sei jedoch noch nicht vom Tisch. Rechtliche Schritte sind also wahrscheinlich.

Parteien zerstritten

Die sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) fordert ein gerichtliches Nachspiel für die bisher Verantwortlichen der SAirGroup. Die Partei will sich dafür einsetzen, dass derm dem Verwaltungsrat an der Generalversammlung die Decharge verweigert werde.

Die Schweizerische Volkspartei (SVP) spricht von einem «Resultat des Wirtschafts-Filzes». Die mit diesem Vorwurf zumindest mitgemeinte FDP weist jede Schuld von sich. Die Freisinnigen haben die Präsentation von Mario Corti «wohlwollend» aufgenommen. Es werde geschätzt, dass der Konzernchef nicht scheue, unternehmerische Probleme auf den Tisch zu legen. Dieser Meinung ist auch die CVP. Allerdings sei der Verlust «erschreckend» hoch.

Ausland zwischen Zurückhaltung und Protest

Die belgische Regierung regierte zurückhaltend auf die Ankündigung der SAirGroup, bis zum Sommer definitiv über die Zusammenarbeit mit der Sabena zu entscheiden.

Wie eine Bombe eingeschlagen hat die Nachricht bei den französischen Gewerkschaften: «Wir haben schlechte Nachrichten erwartet, aber nicht in diesem Ausmass», ein Sprecher der der Pilotengewerkschaft der Air Littoral. Die Haltung der Schweizer sei unmoralisch und inakzeptabel, die Personalverbände wollten die Schritte bekämpfen, kündigte die Gewerkschaft der AOM an.

Schweizer Gewerkschaften zufrieden

Daniel Vischer, Präsident der Gewerkschaft VPOD Sektion Luftfahrt, gibt sich zufrieden mit der neuen strategischen Ausrichtung. Er begrüsse das Festhalten an der Dualstrategie mit Fluggeschäft und flugverwandten Geschäften. Er sei beruhigt, dass die SAirGroup ihr Bodengeschäft mehrheitlich beibehalten wolle.

VPOD-Präsident Eric Decarro ist skeptisch: «Das Personal hat nicht die Absicht, die Suppe auszulöffeln, die ihr die frühere SAir-Leitung eingebrockt hat». Er hege den Verdacht, dass die angekündigten Massnahmen nur den Interessen der Kapitalgeber entgegen kommen. Die VPOD-Sektion Luftfahrt ist mit der neuen Ausrichtung der SAirGroup allerdings zufrieden.

swissinfo und Agenturen

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