SAirGroup: Anhaltende Turbulenzen im Fluggeschäft
Die SAirGroup hat im ersten Halbjahr dieses Jahres trotz eines kräftigen Umsatzwachstums nur einen mageren Gewinn von drei Mio. Franken erzielt. Als Gründe für das unbefriedigende Ergebnis führte der Konzern unter anderem hohe Treibstoffpreise an.
Die SAirGroup ist trotz massiven Verlusten im Fluggeschäft im ersten Halbjahr 2000 hauchdünn in den schwarzen Zahlen gelandet. Die flugnahen Bereiche der Schweizer Luftverkehrsholding arbeiteten zwar erfolgreich, konnten den Verlust aber nicht wett machen.
Die Konzernrechnung der SAirGroup, der Dachgesellschaft von Swissair und Crossair, die auch an einer Reihe europäischer Airlines beteiligt ist, widerspiegelt mit einem wahren Auf und Ab der Zahlen die Turbulenzen im Fluggeschäft der ersten sechs Monate dieses Jahres.
Die SAirGroup zeigt gemäss Mitteilung vom Dienstag (22.08.) für das erste Halbjahr 2000 einen Konzerngewinn von gerade noch drei Mio. Franken, 96,6 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 1999. Der Gesamtumsatz stieg um 34 Prozent auf 7,512 Mrd. Franken.
Der gesamte Betriebsaufwand nahm um ebenfalls 34 Prozent auf 7,334 Mrd. Franken zu. Gleichzeitig sackte der Betriebsgewinn um 33 Prozent auf 134 Mio. Franken. Der operative Cash-Flow (selbst erarbeitete Mittel) wiederum schnellte um 33 Prozent in die Höhe und erreichte 741 Mio. Franken. Der gesamte Personalbestand wuchs seit Ende 1999 um 6,1 Prozent auf 72’617 Beschäftigte.
Horrende Treibstoffpreise
Die Berg-und-Tal-Fahrt geht vor allem auf extreme finanzielle Belastungen der gesamten Flugbranche zurück, wie die SairGroup bekannt gab. So bezeichnete Konzernchef Philippe Bruggisser gemäss Mitteilung die Treibstoffpreise als horrend. Sie führten zu einer nicht beeinflussbaren Mehrbelastung von 170 Mio. Franken. Die Kosten für Verspätungen auf dem Heimflughafen Zürich-Kloten schlugen im Fluggeschäft mit weiteren 50 Mio. Franken negativ zu Buche.
Der Konzernbereich SAirLines mit Swissair, Crossair und der Chartergesellschaft Balair kam auf einen Betriebsverlust von 155 Mio. Franken, nach einem Betriebsgewinn von 84 Mio. Franken Mitte 1999. Der Umsatz stieg um 12,6 Prozent auf 3,315 Mrd. Franken. Die SAirGroup-Gesellschaften beförderten im ersten Semester rund 9,3 Millionen Passagiere, 19 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Zusätzliche Mittel beanspruchten die laufende Sanierung des deutschen Ferienfliegers LTU und die Zusammenführung von AOM, Air Littoral und Air Liberte in Frankreich; dafür wurden entsprechende Rückstellungen gebildet. Über das weitere Schicksal der LTU lagen vorerst keine Angaben vor; SAir-Sprecher hatten in den Vortagen bestätigt, dass Gespräche darüber in der entscheidenden Phase seien. Im Vordergrund stand der Einstieg des deutschen Detailhandelsriesen Rewe bei der LTU-Gruppe.
Die andern SAir-Konzernsparten verbesserten ihre Ergebnisse teils deutlich und schrieben tief schwarze Zahlen; durchwegs wurden markante Umsatzsteigerungen verbucht. Im Bereich SAirLogistics trugen gemäss Mitteilung Spitzenwerte im Luftfrachtgeschäft massgeblich zum ausgezeichneten Resultat bei; der Betriebsgewinn betrug 60 Mio. Franken (Vorjahr: Betriebsverlust von 13 Mio. Franken). SAirServices, die Technik und Bodendienste umfasst, zeigte einen 18 Prozent höheren Betriebsgewinn von 91 Mio. Franken. SAirRelations, unter anderem mit der Flugverpflegungsgruppe Gategourmet und der Duty-Free-Kette Nuance, steigerte den Betriebsgewinn sogar um 50 Prozent auf 120 Mio. Franken.
Aussichten für zweites Halbjahr «realistisch» beurteilt
Konzernchef Bruggisser beurteile die Aussichten der SAirGroup für das zweite Halbjahr realistisch, heisst es in der Mitteilung. Darin wird er wie folgt zitiert: «Wenn die horrenden Treibstoffpreise bleiben, wird das Fluggeschäft trotz erhöhter Auslastung und erhöhter Produktivität negativ bleiben.»
Dank den erfolgreichen Tätigkeiten im flugverwandten Bereich, der Festigung der weltweiten Marktpositionierung der Gruppe und der planmässigen Konsolidierung der in letzter Zeit erworbenen Beteiligungen in mehreren europäischen Staaten dürfte aber im ganzen Jahr ein Konzerngewinn herausschauen – wenn auch unter dem Vorjahreswert von 273 Mio. Franken.
Sabena flog massiven Halbjahresverlust ein
Die belgische Luftverkehrsgesellschaft Sabena, an der die Schweizer Luftverkehrsholding SAirGroup mit 49,5 Prozent beteiligt ist, hat im ersten Halbjahr 2000 einen massiven Verlust eingeflogen. Laut Sabena-Konzernchef Christoph Müller betrug der Reinverlust 83,6 Mio. Euro (umgerechnet rund 125 Mio. Franken); im ersten Halbjahr 1999 hatte der Verlust erst 14,1 Mio. Euro (rund 22 Mio. Franken) betragen.
Auch das operative Ergebnis brach ein: Der Betriebsverlust beträgt 59,9 Mio. Euro, verglichen mit einem Betriebsgewinn von 396 Mio. Euro vor Jahresfrist. Der Gesamtumsatz stieg um 13 Prozent auf 1,18 Mrd. Euro.
Müller führte den Verlust unter anderem auf den starken Dollar, höhere Treibstoff- und Arbeitskosten sowie die Kosten der Flottenerneuerung zurück. All diese Faktoren hätten die positiven Effekte des starken Wachstums von Sabena vernichtet. Für das ganze Jahr blieben die Aussichten «auf alarmierend tiefem Niveau», sagte Müller.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch