Schweizer Wirtschaft wächst
Die Schweizer Wirtschaft hat im letzten Jahr das stärkste Wachstum seit 1991 verzeichnet. Das Brutto-Inlandprodukt (BIP) zu laufenden Preisen stieg im Jahr 2000 verglichen mit der Vorjahresperiode um 4,1 Prozent auf 404 Mrd. Franken.
Um Teuerungseffekte bereinigt, stieg das BIP 2000 vorläufigen Schätzungen zufolge um 3 Prozent auf 345 Mrd. Franken, wie das Bundesamt für Statistik (BFS)in der am Donnerstag (06.09.) veröffentlichten volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung festhält. Im Vorjahr war das reale BIP um 1,6 Prozent gestiegen.
Dienstleistungen besser als Industrie
Die Finanzinstitute lieferten den höchsten Beitrag zum Wachstum seit 1990. Sie profitierten vom gestiegenen Handel mit Wertpapieren und verzeichneten einen Anstieg der Kommissions-Einnahmen.
Nach dem schwierigen Geschäftsjahr 1999 scheinen sich die Versicherungs-Unternehmen im letzten Jahr etwas erholt zu haben. Die Branche steigerte ihren Produktionswert im Jahr 2000 trotz Marktsättigung und erneut wetterbedingten Schadensfällen.
Die Warenproduktion verstärkte sich deutlich, nachdem sie im Vorjahr rückläufig gewesen war. Insbesondere die Hersteller medizinischer Geräte und Präzisions-Instrumente, die Uhrenindustrie, die chemische Industrie und der Bausektors schnitten gut ab. Auch die Wertschöpfung der öffentlichen Haushalte legte insgesamt leicht zu, obschon der Bund einen Einbruch verzeichnete.
Investitionen als Wachstumsmotor
Als entscheidender Wachstumsmotor erwies sich laut BFS die Wiederbelebung der Investitionen. Die Brutto-Anlageinvestitionen stiegen insgesamt um 5,8 Prozent. Dabei erholte sich der Bausektor und verzeichnete zu laufenden Preisen 6,8 Prozent mehr Bauinvestitionen.
Der Aufwärtstrend fiel allerdings im Tiefbau markanter aus als im Hochbau. Vor allem grosse öffentliche Infrastruktur-Projekte wie NEAT und Bahn 2000 gaben dem Tiefbausektor massgebliche Impulse.
Die Ausrüstungs-Investitionen verzeichneten zu laufenden Preisen das grösste Wachstum der letzten Jahre. Die Bereiche Informatik und Telekommunikation profitierten dabei am meisten. Die besten Ergebnisse erzielten der Maschinenbau, die Büromaschinen, die Datenverarbeitungsgeräte und die Geräte der Radio-, TV- und Nachrichtentechnik.
Die Investitionen bei den Verkehrsmittel gingen jedoch deutlich zurück. Laut BFS trug die Swissair zu diesem Ergebnis bei, da sie im 2000 weniger Flugzeuge importierte als im Vorjahr.
Inlandnachfrage stimuliert
Die Erholung der Bauinvestitionen stimulierte auch die Inlandnachfrage. Der Endverbrauch der privaten Haushalte und der privaten Organisationen ohne Erwerbscharakter (POoE) im Inland, der über 60 Prozent des BIP ausmacht, stieg im Vorjahresvergleich nominal um 3,2 Prozent und teuerungsbereinigt um 2,6 Prozent.
Gleichzeitig drehte sich die Preisspirale insbesondere wegen Preiserhöhungen bei Erdölprodukten schneller. Zu Preisen von 1990 fiel deshalb das Wachstum des Endverbrauchs im Jahr 2000 schwächer aus als im Vorjahr (+2,3 Prozent). Zusammen mit den Ergebnissen der vorangehenden Jahren ergibt sich laut BFS jedoch eine Stabilisierung auf hohem Stand.
Im letzten Jahr wurde insgesamt mehr konsumiert. Die Käufe von Motorfahrzeugen verlangsamten sich jedoch deutlich, nachdem 1998 und 1999 ausserordentlich viele Motorfahrzeuge gekauft worden waren. Eine mässige Steigerung wurde bei den Mieten, der Elektrizität, Gas und bei den Brennstoffen registriert. Dies war eine Folge der massiv gestiegenen Energiepreise.
Schlechtere Handelsbilanz
Der traditionelle Leistungsbilanz-Überschuss schmälerte sich, da sich das Defizit im Warenhandel stärker vergrösserte als der Überschuss im Dienstleistungshandel.
Der Saldo der Handelsbilanz verschlechterte sich massiv. Das BFS begründet diese Entwicklung mit dem starken Anstieg der Erdölpreise und dem grossen Fehlbetrag im Handel mit Wertsachen. Da die Preise für Importe stärker stiegen als die Preise für Exporte, verschlechterten sich zudem die Terms of Trade.
Die Dienstleistungsbilanz übertraf hingegen den Rekordüberschuss von 1999. Dabei intensivierten sich die Exporte wie die Importe deutlich. Insbesondere die gestiegene Nachfrage im Luftverkehr, bei den Banken und der Telekommunikation wirkte sich positiv aus.
swissinfo und Agenturen
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