SMUV stellt sich gegen Braginsky
Zwei Tage vor der historischen Sulzer-Generalversammlung hat sich die Metallarbeiter-Gewerkschaft SMUV gegen das Übernahmeangebot des Financiers René Braginsky und dessen InCentive Capital AG gestellt. Die Pensionskassen wurden zur Ablehnung aller InCentive-Anträge aufgefordert.
André Daguet, Vizepräsident der Gewerkschaft Industrie, Gewerbe, Dienstleistungen (SMUV), bezeichnete Braginsky an einer Medienkonferenz vom Dienstag (17.04.) in Zürich als «Börsenraider, der auf rasche Transaktions-Gewinne spezialisiert ist». Braginsky habe klar gemacht, dass er Sulzer Medica rasch zur Börse bringen und dem Industrieteil der InCentive einverleiben wolle.
So könne er jahrzehntelang aufgebaute Industriesubstanz im Wert von 1,0 bis 1,5 Milliarden Franken einheimsen. Vieles deute darauf hin, dass Braginskys InCentive Capital substanzarm dastehe und der Financier seiner eigenen Gesellschaft nicht viel Potenzial einräume.
Incentive keine Alternative
Auch wenn Braginsky den ehemaligen ABB-Industriellen Eberhard von Koerber als neuen Sulzer-Chef präsentiere, sei das Übernahmeangebot «keine vertrauenswürdige Alternative zur jetzigen Sulzer-Crew», sagte Daguet. Für die Aktionäre gelte: «Hände weg von Braginsky und seiner InCentive Capital AG», sagte Daguet, und an die Adresse der Pensionskassen: «Wer Braginsky Aktien andient, gibt den Konzern der Demontage preis.»
SMUV: Sulzer hat Zukunft
SMUV-Geschäftsleitungs-Mitglied Beda Moor zeigte sich überzeugt von Sulzers Zukunftschancen. Es brauche aber klare, verbindliche Ziele von Verwaltungsrat und Konzernleitung. Sulzers Industrie-Substanz sei unter einem Holdingdach zu erhalten. Nötig seien ein Technologie-Innovationsprogramm sowie Qualifikations- und Schulungsprogramme für die Beschäftigten.
Das Sulzer-Management habe den Wert des hohen Qualifikations-Niveaus, der Aus- und Weiterbildung sowie der Betriebstreue der eigenen Beschäftigten zu lange unterschätzt. Moor forderte die Weiterführung der Gesamtarbeits-Verträge, der Beschäftigung, der Anstellungs-Bedingungen und der Schweizer Standorte während mindestens fünf Jahren durch allfällige Käufer.
swissinfo und Agenturen
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