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Swiss Re im Fernen Osten

Swiss Re will in ganz China tätig werden. Keystone Archive

Der Rückversicherer Swiss Re streckt seine Fühler nach China aus. Nirgendwo sonst wächst der Versicherungsmarkt so schnell wie dort.

Der weltweit zweitgrösste Rückversicherer hat von den chinesischen Behörden die Erlaubnis erhalten, sich darauf vorzubereiten, im ganzen Land tätig zu werden. Damit macht das Unternehmen einen ersten Schritt Richtung Rückversicherung von Eigentum, Unfall und Leben in China.

«Seit China der Welthandelsorganisation (WTO) beigetreten ist und die ausländischen Direktinvestitionen in China wachsen, denken wir, dass das Potenzial für Versicherer gross ist», erklärt Pierre Ozendo, CEO der Asien-Division von Swiss Re, gegenüber swissinfo.

Gesundes Wachstum

Der Markt für Lebens-, Unfall- und Sach-Versicherungen in China wuchs in der letzten Dekade um 20% jährlich. China hat derzeit ein Brutto-Inlandprodukt (BIP) von rund 4000 Dollar (5700 Franken) pro Kopf.

«Wir und auch andere Versicherer beobachten den chinesischen Markt genau. Wir erwarten harte Konkurrenz», sagt Ozendo.

Laut Ma Mingzhe, Direktor von Chinas zweitgrösstem Versicherer Ping’an, wird Chinas Policen-Volumen bei Sach-Versicherungen im Jahre 2005 grösser sein als das von Grossbritannien, Frankreich und Deutschland zusammen.

Auch ist er überzeugt, dass die Wachstumsraten im Versicherungsgeschäft jene aller anderen Sektoren überflügeln und 15 bis 20 Jahre anhalten werden. Und unter den 1,25 Milliarden Menschen in China, sagen Analysten, zeigten immer mehr Interesse an Lebensversicherungen.

Die Attraktivität der Lizenz

Bisher konnte Swiss Re ihre Policen nicht in Renminbi, der chinesischen Währung, ausstellen, was die Geschäfte stark limitierte. «Die Lizenz gibt uns nun die Möglichkeit, uns permanent in China niederzulassen. Es erlaubt uns, die volle Skala an Versicherungs-Geschäften in China anzubieten», erklärt Ozendo.

Georges Baumgartner, swissinfo-Korrespondent für den asiatischen Raum, ist überzeugt, dass sich die Schweizer Unternehmen Swiss Re, Zurich Financial Services und Winterthur in Peking grösserer Beliebtheit erfreuen, als ihre europäischen oder amerikanischen Rivalen.

«Sicher, China öffnet seinen Markt für Swiss Re und andere», erklärt dazu ein Analyst der Investmentbank UBS Warburg in Hongkong. «Aber China hat es noch immer geschafft, die Interessen der eigenen Versicherer zu schützen.» Und fügt hinzu, dass nur sehr wenige ausländische Firmen in China Gewinn machten.

Swiss Re hatte erste Vertretungen 1996 und 1997 in Peking und Shanghai eröffnet. Nun erarbeitet der Rückversicherer einen Businessplan, in der Hoffnung von den chinesischen Behörden eine Lizenz zu erhalten.

«Wir sind entzückt und stolz, dass uns erlaubt wurde, für eine nationale Rückversicherungs-Lizenz zu planen», freut sich Ozendo. Die Frage der Versicherungs-Lizenzen war beim Beitritt Chinas zur WTO sehr umstritten.

Weniger Gewinn

Swiss Re – nach dem 11. September stark gebeutelt – kündigte übrigens an, dass die Halbjahres-Gewinne wegen der schlechten Situation auf den Finanzmärkten sinken werden.

Die Schadensdeckung aus dem 11. September dürfte sich nach eigenen Angaben der Swiss Re auf rund 3 Mrd. Franken belaufen. Noch streiten sich Besitzer des World Trade Center und die Swiss Re darum, ob es sich bei den Terroranschlägen um einen oder zwei Schadensfälle handelt.

Im Allgemeinen haben Rückversicherer nach dem 11. September höhere Nachfragen verbucht, was ihnen ermöglichte, die Prämien zu erhöhen.

Karin Kamp
Übertragen aus dem Englischen von Rebecca Vermot

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