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Swissair-Debakel:Verteidigungen und Forderungen

UBS-Chef Macel Ospel verteidigte sich. Keystone

UBS-Präsident Marcel Ospel hat beim Swissair-Debakel erstmals Fehler eingeräumt. Ein Vollbetrieb der Swissair bis Ende Oktober ist laut Crossair-Chef Dosé trotz Bundeskredit nicht möglich. Die Angestelltenverbände der Swissair fordern inzwischen die Auswechslung der Crossair-Spitze.

«Ich habe auch Fehler gemacht», sagte Ospel am späten Freitagabend in der Diskussionssendung «Arena» des Schweizer Fernsehens DRS und fügte hinzu, er hätte am vergangenen Dienstag nicht nach New York reisen sollen. Zudem habe seine Bank in der Kommunikation zu wenig deutlich gesagt, dass man in einen Neubeginn investiere.

Der UBS-Präsident wies aber weiterhin jede Mitverantwortung für die Stilllegung der Swissair-Flotte am letzten Dienstag zurück. Die Swissair hätte damals genügend liquide Mittel zur Weiterführung des Betriebs gehabt. In der «Samstags-Rundschau» von Schweizer Radio DRS betonte Ospel, dass er von der Stilllegung der Swissair völlig überrumpelt worden sei.

Die Banken hätten angesichts der hoffnungslosen Situation ihr Bestes getan und keine andere Wahl gehabt, sagte Ospel in der «Arena». «Wir haben versucht zu retten, was noch zu retten ist.» Ospel bezeichnete den Sanierungsbedarf bei der Swissair-Gruppe auf drei bis sieben Milliarden Franken.

«Es tut mir auch leid», sagte Ospel rückblickend auf die Ereignisse der vergangenen Tage und die Folgen für Kunden und Personal der Swissair.

UBS stellt Geld für Härtefälle zur Verfügung

Die UBS stellt dem Swissair-Management weitere 55 Mio. Franken zur Verfügung, um Härtefälle unter den Passagieren zu mildern. UBS-Präsident Marcel Ospel kündigte in der «Samstags-Rundschau» zudem an, dass sich die Bank aktiv um die Strukturierung und Finanzierung der Sozialpläne kümmern will.

Er habe am Freitag mit Bundesrat Kaspar Villiger über das Thema Sozialplan geredet, sagte der UBS-Präsident weiter. «Wir haben uns mit Villiger abgesprochen, dass wir uns aktiv um die Strukturierung und die Finanzierung der Sozialpläne kümmern wollen», sagte er.

Wechsel der Führung gefordert

Die Vertreter der Personalverbände und Gewerkschaften des Swissair-Personals forderten in der «Arena» den Rücktritt von Crossair-Präsident Moritz Suter und von Konzernchef André Dosé. Eine Zusammenarbeit mit ihnen sei angesichts des zerstörten Vertrauens nicht mehr möglich, sagten sie. Sie warfen Crossair und UBS erneut vor, einen Putsch gegen die Swissair gemacht und die Flotten-Stilllegung mutwillig herbeigeführt zu haben.

Dies werde auch daraus deutlich, dass bereits in der Woche vor der Bekanntgabe der Crossair-Lösung gezielte Vorbereitungen für eine Übernahme der Swissair-Flüge durch die Crossair angelaufen seien. So habe die Crossair Personal aus den Ferien zurückgeholt und die SBB für die Bereitstellung von zusätzlichen Zügen vororientiert.

Dosé selber wies die Putschpläne in aller Form zurück und bemühte sich um konziliante Töne. Er appellierte an alle Beteiligten, sich gemeinsam für den Aufbau der neuen Fluggesellschaft einzusetzen.

Was die Fortsetzung des Flugbetriebs der Swissair betrifft, so sagte Dosé, dass die 450 Mio. Franken des Bundes für einen Vollbetrieb bis zum 28. Oktober nicht ausreichten. Nicht festlegen wollte er sich zudem auf genaue Zahlen bei den Plänen zur Übernahme von Lang- und Kurzstrecken-Flugzeugen der Swissair durch die neue Gesellschaft. Er erinnerte an den ursprünglichen Plan von je 26 Flugzeugen. Die Gewerkschaften erklärten, sie hätten Informationen, wonach die Crossair weniger als die Hälfte übernehmen wolle und entsprechend disponiere.

8’000 Arbeitsplätze in Gefahr

Das Swissair-Debakel wird nach Ansicht von Jean-Luc Nordmann, Leiter der Direktion für Arbeit beim seco, etwa 8’000 Angestellten die Stellen kosten, davon 4’000 direkt im Swissair-Fluggeschäft und 4’000 in den flugverwandten Bereichen.

Diese Schätzung gelte allerdings nur unter der Bedingung, dass die Swissair bis zum 28. Oktober weiter fliege, sagte Nordmann in einem Interview mit der «Basler Zeitung». Er erwarte eine erste Kündigungswelle Ende Oktober und eine weitere im November.

Der Zusammenbruch der Swissair sei aber nicht typisch für die Schweizer Wirtschaft. Eine Verkettung von Umständen und firmenpolitischen Entscheiden hätten zur gegenwärtigen Situation geführt.

Eine etwas andere Sicht der Dinge drückt der Präsident des Schweizerischen Kaufmännischen Verbands, SP-Nationalrat Alexander Tschäppät, in einem Interview mit dem «Bund» aus. Bei gewissen Wirtschaftsführern lasse sich eine «Veramerikanisierung» feststellen: Diese liessen Firmen kaputt gehen, um sie zu einem tieferen Preis weiterführen zu können.

swissinfo und Agenturen

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