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Swissair: Kein Lohn für Tausende

Sowohl für Entlassene wie auch für Weiterbeschäftigte ist unklar, ob sie ihren Novemberlohn erhalten werden. Keystone

Tausende Mitarbeitende von Firmenteilen, die sich im Nachlass befinden, werden ab nächster Woche nicht mehr bezahlt. Dem Sachwalter sind die Hände gebunden.

Sachwalter Karl Wüthrich sieht keine rechtliche Alternative, um eine Lohnfortzahlung zu übernehmen. Die Swissair sei in der Nachlass-Stundung nicht berechtigt, einzelne Gläubiger bevorzugt zu behandeln, teilte Wüthrich am Donnerstag mit. Dies gelte auch für die Forderungen von Arbeitnehmern.

In Konkurrenz zu Zulieferanten

Die Lohnforderungen stünden in Konkurrenz zu den Forderungen vieler Zulieferanten, Kunden und Geschäftspartner, bei denen das finanzielle Debakel der Swissair-Gruppe zum Teil mindestens ebenso existenzbedrohende Probleme mit sich bringe.

Im Nachlass befinden sich die SAirGroup, SAirLines, Swissair Schweizerische Luftverkehr AG, Flightlease, Swisscargo und Cargologic. Diese Firmen beschäftigen zusammen mehrere tausend Menschen. 2’470 von ihnen werden entlassen. Total kündigt die Swissair rund 9’000 Beschäftigten, 4’400 davon in der Schweiz.

Laut Swissair ist die Finanzierung der Lohnzahlungen ab November sowie der Sozialleistungen für die von der Entlassung betroffenen Mitarbeitenden jener Firmen, die sich im Nachlass befinden, nicht gesichert.

Gang zum Arbeitsamt

Für jene Arbeitnehmer, die nicht weiter beschäftigt werden, seien die Auswirkungen des Entscheides des Sachwalters unter Umständen gravierend, hielt Wüthrich fest. Diese Mitarbeiter werden ab November gezwungen sein, Arbeitslosen-Unterstützung zu beziehen. Für die Frühpensionierten bedeutet es die Einstellung der Zahlungen.

Rasch neue Verträge

Der Entscheid des Sachwalters, nicht auf die Arbeitsverträge der Swissair einzutreten, löse das Arbeitsverhältnis nicht auf. Der Sachwalter prüft, ob den Beschäftigten für die Übergangsphase ein neuer Arbeitsvertrag mit der Nachlassmasse vorgeschlagen wird.

Die Swissair sei mit Crossair im Kontakt, um schnellstmöglich jenen Mitarbeitenden neue Arbeitsverträge anbieten zu können, die in der neuen Schweizer Fluggesellschaft weiter beschäftigt werden. Daneben besteht der Überbrückungskredit des Bundes von 1 Mrd. Franken.

Bei den Firmen, die sich nicht im Nachlass befinden und Entlassungen anstehen, werden die Löhne während der Kündigungsfrist aus dem laufenden Betrieb finanziert. Bei Gate Gourmet, SR Technics, Atraxis, Swissport und weiteren werden insgesamt 1’922 Stellen gestrichen.

Verantwortliche und Bund sollen zahlen

Gewerkschaften und die Sozialdemokratische Partei sind mit der Malaise nicht einverstanden: Die für den Ruin der Swissair Group verantwortlichen Verwaltungsräte sollten laut SP 10 Prozent ihres auf 7 bis 8 Mrd. Franken geschätzten Vermögens zur Finanzierung der Sozialpläne bereitstellen und auch die Finanzierung der Löhne sicherstellen.

Während die SP betont, die Finanzierung der Sozialpläne für die entlassenen Angestellten sei nicht Aufgabe des Staates, fordern die Gewerkschaften mehr Bundesmittel: Die marode Swissair sowie die flugverwandten Betriebe brauchen gemäss den Organisationen des Swissair-Bodenpersonals insgesamt eine weitere Milliarde Franken.

Für den Präsidenten des VPOD-Luftverkehr, Daniel Vischer, ist eine Zusatzfinanzierung von mindestens 500 Mio. Franken für die flugverwandten Betriebe umgehend notwendig, sonst drohe der Kollaps des Projekts für die neue Fluggesellschaft. Zudem seien 250 Millionen für die Lohnkosten der Freigestellten der in Nachlassstundung stehenden Swissair-Betriebe bereit zu stellen.

swissinfo und Agenturen

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