Swissair muss bei Sabena-Konkurs zahlen
Die Swissair muss gemäss dem belgischen Aktienrechts-Spezialisten Robert Wtterwulghe bei einem Konkurs der Sabena weitere finanzielle Verpflichtungen übernehmen, falls Klagen eingereicht werden. Auch Strafklagen seien möglich.
Es sei damit zu rechnen, dass Angestellte oder Gläubiger gegen die Swissair klagten, falls es in absehbarer Zeit doch noch zu einem Konkurs der Sabena komme, sagte der belgische Aktienrechts-Spezialist Robert Wtterwulghe in einem Interview mit der «SonntagsZeitung».
Die Richter könnten dann die Swissair verpflichten, weiteres Geld einzuschiessen, trotz der am 17. Juli getroffenen Vereinbarung mit der belgischen Regierung. Der Punkt sei, dass die Swissair nicht nur einfacher Aktionär sei, sondern das Unternehmen über Christoph Müller weiterhin leite, begründete Wtterwulghe die möglichen zusätzlichen Zahlungen.
«Spekulationen» gemäss Swissair
Swissair-Sprecher Siro Barino bezeichnete die Möglichkeit von Klagen und vom Konkurs der Sabena als «Spekulationen», zu denen die Swissair keine Stellung nehme. Er verwies auf die Vereinbarung mit der belgischen Regierung, wonach die Swissair nach der Zahlung von 390 Mio. Franken gegenüber der Sabena keine weiteren finanziellen Verpflichtungen mehr habe.
Zudem sei Sabena-Konzernchef Müller nicht Angesteller der Swissair, sondern der Sabena, widersprach Barino dem Aktienrechtler Wtterwulghe. Müller habe lediglich in der Airline Management Partnership (AMP) zwischen Swissair und Sabena noch die Geschäftsführung inne. Die AMP werde aber immer mehr «abgespeckt».
Wtterwulghe: Zahlung reicht nicht aus
Um die Sabena weiterhin am Leben zu erhalten, seien mindestens 1,5 Mrd. Franken notwendig, führte Wtterwulghe im Interview weiter aus. Die Zahlung von 650 Mio. Franken, die vereinbart worden sei, reiche nicht aus.
Zudem könnten Strafklagen auf die Swissair zukommen, wenn sich herausstelle, dass an die Sabena überhöhte Rechnungen für geleistete Dienste ausgestellt wurden. Oder wenn lukrative Geschäfte der Swissair statt der Sabena zugehalten wurden. Auf die Frage, ob es dafür Indizien gebe, antwortete Wtterwulghe: «Ich glaube schon.»
Zum Beispiel sei es bei Bestellungen von Airbus-Flugzeugen über die Swissair-Tocher Flightlease zu Kommissions-Zahlungen an die Swissair gekommen.
swissinfo und Agenturen
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