Tornos baut 200 Arbeitsplätze ab
Der Drehautomaten-Hersteller Tornos streicht bis Ende Oktober jeden 6. Arbeitsplatz. Die Gewerkschaften fordern einen gerechten Sozialplan.
Tornos begründete den Stellenabbau am Donnerstag mit der wirtschaftlichen Unsicherheit, diese sei durch die Terroranschläge in den USA vom 11. September noch verstärkt worden. Das Unternehmen habe im letzten Monat eine hohe Zahl von Auftragsstornierungen hinnehmen müssen.
Auftragsbestand geschmolzen
Der anhaltend starke Schweizer Franken habe die Erträge ebenfalls geschmälert. Per Ende September sei der Auftragsbestand auf 115 (Ende Juni 164) Mio. Franken zusammengeschmolzen. In Anbetracht der Lage habe das Management eine Restrukturierung beschlossen.
Dabei sollen in der Produktionsstätte in Moutier 180 und in den Vertriebs-Gesellschaften im Ausland 20 Arbeitsplätze gestrichen werden. In Moutier werden per Ende Oktober 130 Beschäftigte entlassen. 40 Personen werden frühzeitig in Rente geschickt.
Sozialplan in Aussicht
In Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern und Personalvertretern werde ein Sozialplan erarbeitet. Sollte die schwache Nachfrage anhalten, könne für bestimmte Abteilungen auch Kurzarbeit beschlossen werden, gab Tornos weiter bekannt.
Zugleich nahm Tornos die Umsatzprognose für das laufende Jahr zurück. Statt einem Wachstum von 10 Prozent werden nun nur noch 5 bis 8 Prozent erwartet. Die Verkäufe dürften sich somit zwischen 390 und 400 Mio. Franken einpendeln.
Der massive Abbau – knapp jede sechste Stelle verschwindet – folgt auf eine fünfjährige Boomphase und dem Börsengang von Tornos im Frühjahr 2001. Seit 1997 hat die Firma nach eigenen Angaben den Personalbestand allein in Moutier um 450 Stellen erhöht.
Gewerkschaften wehren sich
Die Gewerkschaften Smuv und Syna wollen sich gegen den Stellenabbau zur Wehr setzen. Die Direktion habe sich geweigert, der Betriebskommission die Konsultationsfrist von vier auf 15 Tage zu verlängern, teilten die beiden Gewerkschaften mit.
Die grossen Leistungen der Belegschaft in den letzten fünf Jahren und deren Beitrag zum Erfolg würden nicht berücksichtigt. Entlassungen dürften nicht der einzige Weg aus der Krise sein. Smuv und Syna rufen das Management auf, Alternativen auszuloten.
Die Angestellten Schweiz (VSAM) blasen ins gleiche Horn. Der Verband stelle sich die Frage, ob das rasche Wachstum der letzten Jahre stets unter Kontrolle gewesen sei. Tatsache sei, dass Tornos auch nach dem Börsengang über keine Reserven verfüge.
An der Schweizer Börse war der Handel mit der Tornos-Aktie am Donnerstag gegen 15.30 Uhr eingestellt worden. Zuletzt hatte der Titel mit 38,60 Franken notiert. Das waren 1,35 Franken oder 3,4 Prozent weniger als bei Handelsschluss am Vortag.
swissinfo und Agenturen
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