VIPER schlängelt sich durch Video, Film und neue Medien
VIPER ist das einzige Deutschschweizer Medienkunst-Festival der Schweiz mit internationaler Ausstrahlung. Die globale Informationsgesellschaft zwischen Kunst, Kommerz und Kabul.
Die Geschichte der VIPER ist die erfolgreiche Wachstums-Geschichte einer Schlange. 1981 in Luzern von einer Gruppe angefressener Video-Schaffender ins Leben gerufen, die eine Plattform für ihre Arbeiten suchten, geht sie heuer ins 21. Jahr. Die VIPER – seit zwei Jahren in Basel beheimatet – war von Anfang an international ausgerichtet und konnte letztes Jahr mit über 20’000 Besuchenden einen neuen Rekord verbuchen.
Grenzen ausloten
Heute hier und morgen da hat längst keine Gültigkeit mehr. Im Zeitalter der globalen Informations-Gesellschaft verschmelzen verschiedene Wirklichkeiten mit einem Mausklick ineinander.
Mittels Computer werden Ferienbilder gescannt, zeigt CNN was moderne Medienarbeit ist, kann mit Gleichgesinnten in Südafrika gechattet, der Wein online bestellt und Netz-Literatur gelesen werden. Nichts ist unmöglich.
Film, Video, CD-ROM, Internet – rasend schnell spukt der Markt laufend neue Produkte mit laufend neuen Möglichkeiten aus. Einst undenkbare Vernetzungen sind möglich, ja werden gesucht. Während ein Teil der Menschen ganz draussen bleibt und einige dauernd hinterher rennen, nutzen Künstlerinnen und Künstler das Potential, stellen Fragen, geben Antworten, loten die Grenzen aus.
Rege Beteiligung
VIPER21 scheint ein guter Jahrgang zu sein. Aus 42 Ländern wurden über 1’000 Arbeiten eingereicht. Ganze 55 davon wurden für den Internationalen Wettbewerb (18 Länder) in der Kategorie experimenteller Film/Video nominiert. Weiter gilt es 19 CD-ROM/Internetprojekte aus sieben Ländern zu beurteilen. Nicht zu vergessen der Publikumswettbewerb. Noch hat das Publikum die Möglichkeit, bis zum 27. Oktober seine Stimme unter abzugeben.
Festivalzentrum ist das Theater Basel. Hier werden in der betreuten Media-Lounge – im Alltag das Theaterfoyer – auf Computer-Terminals die internationalen und digitalen Arbeiten präsentiert. Cyberhelvetia, ein Expo.02-Projekt, lädt im olive/hellblauen 70er Jahre Retro-Design dazu ein, sich mit einem Bild ins Projekt, in den Cyberspace zu stellen. Oder an der Internet-Community teilzuhaben oder das witzige GenderGame, das Spiel der Geschlechter zu spielen.
Unter www.raoulpictor.com findet sich ein kreativ-virtueller Maler, der innerhalb von drei Minuten Bilder malt. Jedes ein Unikat; datiert, signiert, nummeriert. Einfach abwarten, zusehen, ausdrucken. Cecilia Vàzquez wiederum spielt auf ihrer www.trans-humantes.org virtuos mit Migration, Emigration, Immigration.
Weg im Dschungel
Im Symposium «Next Odyssee» werden Themen wie: Interaktive Architektur, Leben im Cyberspace, Netzwerke zeitgenössischer Künstler in Europa thematisiert.
Einen eigentlichen Trend an der VIPER21 auszumachen ist schwierig. Vielfältig, schnelllebig, ja zuweilen chaotisch – so stellt sich die heutige Wissens- und Informations-Gesellschaft dar. Künstlerinnen und Künstler spiegeln sich in ihr. Hier gültige Antworten zu finden, die Morgen noch Bestand haben, ist nicht einfach. Die Basler-VIPER versucht sich schlängelnd ein Bild zu machen und für Interessierte und Neugierige aufklärend – im Besten Sinne des Wortes – zu wirken.
Brigitta Javurek
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