Wein am Rhein – und am Ende der Welt
Wer Rhein sagt, denkt oft automatisch an Wein. Die Ufer des längsten Flusses Europas sind in vielen Gegenden gesäumt von Rebbergen. Zu den gesegneten Weingebieten gehört auch die Bündner Herrschaft rund um die Gemeinde Malans bei Chur.
Wir treffen Georg Fromm auf seinem Weingut im malerischen Malans. «Diese Region ist prädestiniert für Pinot Noir, unsere Spezialität. Es ist die erste Destination am Rhein für guten Pinot», sagt der Weinmacher, der seine Trauben nach ökologischen Grundsätzen anbaut und keltert.
«Pinot ist eine Sorte, die kühle Nächte und warme Tage braucht. In Deutschland und Holland herrscht ein anderes Klima.» Die Gegend um Malans blickt auf eine über 1000-jährige Weinbautradition zurück. «Daher haben wir hier um die 12 Weingüter, meistens in Familienbesitz.»
Georg Fromm ist quasi im Wein geboren. Er kam während der Ernte zur Welt. «Mein erster Atemzug war der Duft fermentierender Trauben.» Der geborene Winzer führt den Betrieb bereits in der vierten Generation.
«Ich stieg sehr früh, bereits mit 17 Jahren, ins Familiengeschäft ein. Denn mein Vater starb, als ich 13 war.» Darum brauchte er wohl nach 20 Jahren etwas frische Luft, Fromm wollte andere Teile der Welt kennen lernen. «Zusammen mit meiner Frau und der Familie entschieden wir uns für Neuseeland.»
Dort entdeckten sie ein Land mit idealen Bedingungen für den Weinbau. «Es ist nicht gerade am Rhein, sondern auf der anderen Seite der Welt. Neuseeland hat ein ähnliches Klima wie hier: Ein gutes Potenzial für den Pinot Noir.»
Seither geniesst Georg Fromm den ewigen Sommer und baut seinen Wein sowohl in Malans als auch in Neuseeland an. Von Januar bis Anfang April arbeitet er mit seiner Frau Ruth in der neuseeländischen Weinregion Blenheim. Der dortige Betrieb ist rund fünf Mal grösser als derjenige in Malans.
Während Fromm mit dem Malanser Wein den schweizerischen Markt beliefert, exportiert er seine neuseeländischen Weine in fünfzehn verschiedene Länder. «Hier in der Schweiz ist es mehr lokal, ich arbeite hier auch mehr im Rebberg. In Neuseeland ist es mehr ein Management-Business. Es ist alles viel grösser als hier.»
So ergibt der Schweizer Rebberg rund 25’000 Flaschen pro Jahr, in Neuseeland sind es zwischen 100’000 und 125’000. «Für mich ist es schön, diese beiden Polaritäten zu haben», meint Fromm.
Der neuseeländische Wein habe heute einen exzellenten Ruf. Und der heisse und trockene Sommer in der Schweiz verspricht ein gutes Weinjahr. «Es sieht sogar nach einer sehr guten Ernte aus.»
swissinfo-Sonderkorrespondent Christian Raaflaub, Malans
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