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Weiterer Zinsschritt der Nationalbank in Sicht

Keystone

Die Nationalbank steht gemäss den Erwartungen von Bankökonomen kurz vor einem weiteren Zinsschritt. Dies ergab eine Umfrage vom Mittwoch.

Die Credit Suisse Group erwartet, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) das Zielband für die Geldmarkt-Zinsen bis im Dezember um weitere 0,5 Prozentpunkte senken wird, wie Anja Hochberg, Senior Economist, sagte.

Ob diese Ermässigung in einem oder in zwei Schritten vorgenommen wird, dürfte von der Europäischen Zentralbank (EZB) abhängen. Die befragten Bankökonomen erwarteten übereinstimmend, dass die EZB am Donnerstag eine Leitzinssenkung vornimmt.

«Wir gehen von 50 Basispunkten aus», sagte Hochberg. Laut Jan Willem Acket, Chefökonom der Bank Julius Bär, ist die EZB unter Druck. Angesichts des schwachen Euros bestehe Handlungsbedarf, auch wenn die Teuerung im Euroland weit über zwei Prozent liege und die EZB auf Preisstabilität beharre.

Franken unter Druck

Senkt die EZB die Leitzinsen, könnte der Franken gemäss Einschätzung der Befragten weiter unter Druck kommen. Deshalb kann sich Acket nicht vorstellen, dass die Nationalbank bei einem Zinsentscheid der EZB abseits steht. Er erwartet von der SNB eine Senkung des Zielbands um 50 Punkte.

Auch für die BAK Konjunkturforschung Basel AG ist laut Thomas Kübler ein Zinsentscheid der Nationalbank in Sicht. Er geht davon aus, dass die SNB bis Ende Jahr das Zielband um weitere 25 bis 50 Basispunkte senkt. «Ob die Senkung zehn Minuten oder zehn Tage nach dem EZB-Entscheid kommt, ist offen», sagte er.

Die Bank Sarasin erwartet, dass die Nationalbank das Zielband diese Woche oder bei ihrer geldpolitischen Lage-Beurteilung am 7. Dezember um 25 Basispunkte senken wird. Auch die UBS Warburg geht davon aus, dass der Druck auf die Nationalbank steigt, wenn die EZB die Zinsen senkt.

Eine andere Einschätzung hat Bernd Schips, Leiter der Konjunktur-Forschungsstelle der ETH Zürich (KOF/ETH). Rein aus konjunkturellen Gründen bestehe für die Nationalbank keine Notwendigkeit, sofort zu handeln, sagte er. Falls das internationale Zinsumfeld aber in Bewegung geraten würde, schloss er weitere Schritte der SNB nicht aus.

SNB-Präsident Roth bekräftigt autonome Geldpolitik

SNB-Präsident Jean-Pierre Roth bekräftigte an einer Tagung in Frankfurt am Main den Willen zu einer autonomen Geldpolitik. Er erinnerte an den Beschluss vom vergangenen 24. September, als die Nationalbank die Leitzinsen zum zweiten Mal innerhalb einer Woche um 50 Basispunkte gesenkt hatte, um der Aufwertung des Schweizer Frankens zu begegnen. Das Zielband für den Dreimonate-Libor liegt seither bei 2,25 bis 3,25 Prozent.

swissinfo und Agenturen

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