«Bilderbuchbeispiel für Homophobie»
Wegen angeblicher Verführungsgefahr hat der Erziehungsdirektor des Kantons Neuenburg die Verteilung einer Informations-Broschüre von Schweizer Schwulen- und Lesben-Organisationen unterbunden. Die Homosexuellen-Organisationen werfen ihm Homophobie vor.
Wie die Schwulen-Vereinigung PINK CROSS mitteilte, begründet Erziehungsdirektor Thierry Béguin den Entscheid mit «Verführungsgefahr». In einem Schreiben an die Schulen bezeichnete Béguin die Broschüre als «Versuch der Anstiftung und Bekehrung zur Homosexualität», wie PINK CROSS am Mittwoch (20.06.) mitteilte.
Béguin bestätigte, dass die Neuenburger Schulen angewiesen wurden, den Prospekt nicht zu verwenden. Dies bedeute jedoch nicht, dass Homosexualität tabuisiert werde, sagte der Staatsrat.
Information gegen Vorurteile
Der Prospekt «Liebe kennt keine Grenzen» hat zum Ziel, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte für die Anliegen homosexueller Menschen zu sensibilisieren. Die Broschüre wurde von PINK CROSS, der Lesbenorganisation Schweiz (LOS) und der Vereinigung der FreundInnen und Eltern von Lesben und Schwulen (FELS) gemeinsam erarbeitet.
«Mindestens 5 Prozent der Menschen sind homosexuell», steht in der Broschüre, die Anfang Mai an Schulen in der ganzen Schweiz verschickt wurde. «Einer von vier jungen Schwulen macht einen Selbstmordversuch», heisst es weiter. Angeboten werden Veranstaltungen für Lehrpersonen und Informations-Blöcke für Schulklassen.
Keine Tabuisierung
PINK CROSS, LOS und FELS zeigen sich «alarmiert, dass Unkenntnis und Vorurteile ungebremst in die Erziehungspolitik eines Kantons einfliessen können».
Die drei Organisationen protestieren in einem Schreiben an Erziehungsministerin Ruth Dreifuss, an die Schweizerische Erziehungsdirektoren-Konferenz sowie an die Neuenburger Regierungs-Präsidentin gegen die Blockierung ihrer Broschüre im Kanton Neuenburg.
swissinfo und Agenturen
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