Erste «Schwulen-Heirat» in Genf
Ein weiterer Schritt zur Gleichberechtigung homosexueller Paare wurde am Dienstag (08.05.) in Genf vollzogen: Zwei Frauen und zwei Männer unterschrieben auf der Standeskanzlei den Pakt für Soziale Solidarität (PaCS). In einem Brief an Justizministerin Ruth Metzler wollen sie die gleichen Rechte auf Bundesebene fordern.
Der ehemalige Sekretär der Schwulen-Organisation Pink-Cross im Welschland,Yves de Matteis, und sein Freund Patrick Berguer sind das erste homosexuelle Paar der Schweiz, das sich offiziell registrieren lassen konnte. Eine halbe Stunde nach ihnen war die Reihe an Florence und Nina, dem ersten offiziell anerkannten Lesbenpaar der Schweiz. Die Kroatin Nina ist nur im Besitz einer Aufenthaltsbewilligung.
Was als einfacher Behördengang vorgesehen war, entwickelte sich zu einer Art Feierstunde. Unter den Augen zahlreicher anderer einschreibungswilliger homosexueller Paare und vieler Medienleute liessen sich die zwei Paare dank dem Projekt PACS (Partnerschaften für Schwule und Lesben) bei der Genfer Staatskanzlei offiziell registrieren.
Genf machts möglich
Das durch ein kantonales Gesetz geregelte Vorgehen ist einfach: Für die Registrierung einer homosexuellen Partnerschaft bei der Staatskanzlei oder bei einem Notar im Kanton Genf genügen offizielle Ausweise. Kurz nach der Einschreibung konnten die beiden Paare gegen eine Gebühr von 100 Franken die offiziellen Dokumente in Empfang nehmen.
Im Februar hatte der Genfer Grosse Rat dem PACS-Gesetz zugestimmt, das Paaren, egal ob gleichgeschlechtlich oder gemischt, ermöglicht, sich eintragen zu lassen. Das Zertifikat bestätigt den offiziellen Charakter der Partnerschaft und gibt den PartnerInnen das Recht, im Verkehr mit der Verwaltung gleich behandelt zu werden wie Verheiratete. Davon ausgenommen bleiben allerdings Steuerrecht und Sozialleistungen.
Früher fanden in der Schweiz bereits mehrfach Zeremonien mit homosexuellen Paaren statt, die der kirchlichen Trauung ähnlich sind, jedoch keinen behördlichen Charakter haben.
Brief an Metzler
Pink Cross und die Lesbenorganisation Schweiz (LOS) erklärten, die erste amtliche Registration sei ein Grund zum Feiern. Der PACS sei aber als Vorbild ungeeignet. Allerdings sei der Spielraum durch anderslautendes Bundesrecht massiv eingeschränkt, auch der fiskalische Bereich blieb ausgeklammert, hiess es weiter. Die Organisation empfehlen den Kantonen, ihren Spielraum zur Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare auszunutzen.
In einem Brief an Justizministerin Metzler wollen die Organisationen Gleichstellung auf Bundesebene fordern.
swissinfo und Agenturen
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