ETH Zürich in Geldnot
Die Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich geniesst international einen ausgezeichneten Ruf. Das angekündigte Sparprogramm könnte dies ändern.
Die ETH muss aus Spargründen in den nächsten fünf Jahren auf 13 Professuren verzichten.
Die ETH Zürich spürt den Spardruck. Deshalb werden in den nächsten fünf Jahren insgesamt 13 Professuren nicht mehr besetzt. Dies gab ETH-Präsident Oskar Kübler am ETH-Tag 2002 (23. November) bekannt
Laut Kübler reichen die Geldmittel der ETH nicht mehr aus, um den Leistungsauftrag korrekt zu erfüllen. Er hoffe deshalb, dass der Bund in der neuen Planungsperiode ab 2004 der ETH wieder mehr Geldmittel zukommen lasse.
Um den finanziellen Spielraum der Hochschule zu verbessern, werde die ETH in den nächsten fünf Jahren 13 Professuren nicht mehr besetzen, die bereits vakant seien oder durch Rücktritte frei würden, sagte Kübler.
Nobelpreisträger darf bleiben
Um den finanziellen Spielraum der Hochschule zu verbessern, werde die ETH in den nächsten fünf Jahren 13 Professuren nicht mehr besetzen, die bereits vakant seien oder durch Rücktritte frei würden, sagte Kübler.
ETH-Forscher Kurt Wüthrich, der vor gut einem Monat den Nobelpreis für Chemie erhielt, wird aber weiterhin gebraucht: er will sogar nach seiner Pensionierung 2004 an seinem Institut auf Teilzeitbasis weiter forschen.
New Economy ist schuld
«Die Ideologie der New Economy hat der ETH Zürich real abnehmende Mittel beschert.»
Diese kritische Bilanz zog Kübler in seiner Festrede am ETH-Tag 2002 vor über 600 Gästen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.
«Die Spuren des Wunderglaubens an den Slogan ‚faster, better, cheaper‘ und die allgemeine Ideologie der neunziger Jahre zeigen sich heute deutlich. Die Finanzmittel reichen nicht mehr aus, um den Leistungsauftrag korrekt zu erfüllen.»
Diesen Schluss zog ETH-Präsident Olaf Kübler in seiner Festrede vom Samstag.
Unter dem Titel «Wunder in Bildung und Wissenschaft» setzte er sich kritisch mit den hochschulpolitischen Entwicklungen der letzten Jahre auseinander. Sie hätten der ETH real abnehmende Mittel gebracht.
Ausschau nach nicht-staatlichen Mitteln
Auch rief ETH-Rektor Konrad Osterwalder dazu auf, mehr nicht-staatliche Finanzmittel anzustreben. Mit einer «fortschrittlichen Steuergesetzgebung» könne der Staat die Förderung der Hochschulen durch Dritte wesentlich erleichtern.
Auch Martin Naef, Co-Präsident der Akademischen Vereinigung des Mittelbaus der ETH Zürich (AVETH), forderte die Hochschulangehörigen auf, mehr Verantwortung auch ausserhalb des eigentlichen Lehr- und Forschungsbetriebes zu übernehmen.
Zweitbeste Forschungsnation
Die Schweiz ist hinter den USA das Land mit der renommiertesten Forschung: Dies zeigt der internationale Uni-Vergleich, wie ein Bericht in der jüngsten Ausgabe des Schweizer Nachrichtenmagazins «Facts» belegt.
Wenn es um den Anteil international stark beachteter Publikationen geht, vermag die Eidgenossenschaft zum Beispiel alle anderen europäischen Staaten zu überflügeln. Sie nimmt mit 30,7% Rang 2 ein, hinter den USA (43,3%), und vor Grossbritannien (27,8%).
ETH Zürich im Ranking
Überdurchschnittliche internationale Beachtung geniesst die ETH Zürich laut Uni-Vergleich in den Gebieten Ingenieurwissenschaften, Botanik/Zoologie, Biologie/Biochemie, Erdwissenschaften und Astrophysik.
swissinfo, Elvira Wiegers und Monika Lüthi
Hochschulen in der Schweiz:
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