Flechten und Libellen bedroht
Das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) zieht die Alarmglocke: Fast 40 Prozent der Flechten in der Schweiz sind vom Aussterben bedroht, 38 sind schon ausgestorben.
Bedroht sind auch die Libellen. Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig.
Erstmals hat das BUWAL die Flechten für eine Rote Liste erfasst. Auf diesen Listen sind bedrohte Arten aufgeführt.
Flechten sind eine symbiotische Verbindung von Pilzen und Algen. Sie reagieren äusserst empfindlich auf Luftverschmutzung und Umweltveränderungen. Sie sind daher aussagekräftige Indikatoren für die Umweltqualität.
Schon seit längerem wird daher der Zustand von gewissen Flechtenarten als Massstab genommen, um in Städten die Veränderungen der Luftqualität zu dokumentieren.
Stichproben aus der ganzen Schweiz
Zur Erstellung der Roten Liste wurden an 826 Orten im ganzen Land repräsentative Stichproben genommen. Zudem wurden auf 56 Kartierflächen von 20 mal 20 Kilometern während jeweils rund einer Woche möglichst viele vorkommende Flechten erfasst.
Die Rote Liste wurde in Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft und dem Herbier mycologique der Stadt Genf erstellt.
Rückgang in Alpenregionen und Siedlungsräumen
Untersucht wurden insgesamt 786 Flechtenarten. Von ihnen kommen 520 auf Bäumen, 266 auf dem Boden vor. 295 Arten (37%) wurden auf die Rote Liste gesetzt. 38 Arten sind bereits ausgestorben, 45 vom Aussterben bedroht, 96 gelten als stark gefährdet und 116 als verletzlich. Weitere 107 Arten gelten als potenziell gefährdet.
Gemäss BUWAL gehören zu den besonders vom Artenrückgang bedrohten Gebieten Alpenregionen, in denen die Freizeit-Aktivitäten zugenommen haben, aber auch Landwirtschaftszonen und Siedlungsräume. Um dem weiteren Rückgang Einhalt zu gebieten, sei eine Forst- und Landwirtschaft geboten, die den natürlichen Lebensräumen Sorge trage.
Für Flechten, die auf Bäumen wohnen, müssen alte Wälder, Weideland, alte Bäume, lichte Baumgruppen und Hochstammkulturen erhalten bleiben. Für die den Boden bewohnenden Flechten ist die Erhaltung von Trockenwiesen auf kalkhaltigen oder sauren Böden, Flussterrassen und Alpweiden wichtig.
Auch Libellen bedroht
Für Besorgnis erregend hält das BUWAL auch die Situation bei den Libellen. 36% der in der Schweiz heimischen Arten sind im Rückgang begriffen oder vom Aussterben bedroht.
Beunruhigend sei vor allem, dass neben seltenen Arten seit 1994, als die letzte Rote Liste erschien, auch drei gemeine Arten abnähmen, ohne dass man die Ursache kenne.
Auch hier könnte laut BUWAL eine umweltverträgliche Bewirtschaftungsform, die Teiche und Seen vor Düngeeinträgen aus der Landwirtschaft und vor weiteren Schadstoffen schützt, die Verarmung der Artenvielfalt eindämmen. Auch die Uferrevitalisierung bei Fliessgewässern vermöge in bedeutendem Masse zur Artenvielfalt beizutragen.
Einfluss der Klimaveränderung?
Anders als bei den einheimischen Libellen präsentiert sich die Situation bei vier aus dem Mittelmeerraum stammenden Arten. Sie haben ihr Verbreitungsgebiet in wärmere Regionen der Schweiz ausgedehnt, und ihre Populationen wachsen ständig.
Dass das mit der Klimaerwärmung zu tun hat, kann Francis Cordillot nicht ausschliessen: «Wir finden seit kurzem hier Arten, welche normalerweise südlich der Alpen leben», betont der Spezialist des BUWAL. «Und das hat wahrscheinlich einen Zusammenhang mit der Erwärmung des Planeten.»
swissinfo und Agenturen
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