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Forschen gegen Höhen-Krankheit

Der Shisha Pangma von Norden gesehen. Swissexped

Wie sich ein längerer Aufenthalt in grosser Höhe auf das menschliche Gehirn auswirkt, wollen Schweizer Wissenschaftler in den nächsten Wochen im Himalaya-Gebirge erforschen.

Die Forschenden sind am Mittwoch (18.04.) von Zürich abgereist. Sie hoffen, Ende Mai den Gipfel des 8048 Meter hohen Shisha Pangma zu erreichen, einem Berg an der Grenze zwischen Tibet und Nepal. Vor der Besteigung planen die zwölf Teilnehmer Fitness-Tests und physiologische Untersuchungen.

Kampf gegen Hirn- und Lungen-Oedem

Immer mehr Touristen machen Trekking-Touren im Hochgebirge. Und entsprechend haben die Höhen-Krankheiten, die noch immer häufig unterschätzten Hirn- und Lungen-Oedeme, zugenommen.

Beim Hirn-Oedem leiden die Betroffenen unter Schwindelanfällen, bisweilen wird die Wahrnehmung und auch das Einschätzen der eigenen Fähigkeiten getrübt. Das Lungen-Oedem äussert sich zu Beginn mit Atem-Beschwerden. Enden können beide Krankheiten tödlich.

Weiter gibt es Hinweise, dass Personen nach wiederholten Höhen-Krankheiten unter langandauerndem Gedächtnis-Verlust leiden können und dass die Fähigkeit abnimmt, sich zu konzentrieren.

Eine Frage des Trainings der Atemmuskeln?

Lange fragten sich Fachleute, ob Atemmuskeln wie Arm- oder Beinmuskeln einfach trainiert werden könnten – allerdings ist die Wirksamkeit solcher Vorbereitungs-Programme nie wissenschaftlich bewiesen worden.

«Um den niedrigen Sauerstoff-Gehalt der Höhenluft zu kompensieren, atmen Bergsteiger 60 bis 80 Mal pro Minuten – dreimal mehr als normal», sagt Expeditions-Teilnehmer Andreas Serra, Mediziner und Leberspezialist aus Bern. «Es würde Sinn machen, wenn wir zeigen könnten, dass Personen mit schlecht trainierten Atemmuskeln ein höheres Risiko aufweisen, Höhen-Krankheiten zu erleiden.»

Bereits seit drei Monaten bereiten sich die Expeditions-Teilnehmer – alle erfahrene Bergsteiger – auf die Tour vor: Die Hälfte der Gruppe absolvierte dabei ein gezieltes Fitness-Programm. «Statt der normalen Atem-Frequenz von zwanzig Atemzügen pro Minute trainierten die Leute dabei ihre Lungen täglich eine halbe Stunde lang mit hundert Atemzügen pro Minute», erklärte Serra gegenüber swissinfo.

Die anderen Tour-Teilnehmer machten als Vorbereitung ein gewöhnliches Fitness-Training durch. Sie dienen sozusagen als normale Vergleichs-Gruppe.

Neben der normalen Ausrüstung für eine Himalaya-Expedition schleppen die Wissenschaftler auf ihrer Tour nun auch Geräte mit, um in der Höhe Fitness-Tests durchzuführen. «Es mag komisch aussehen, wenn wir unsere Sachen auspacken und in 8’000 Metern Höhe ein kleines Fitness-Studio aufbauen werden. Doch wir werden genau das tun», sagt Serra. Geplant seien auch Hirn-Tests, um physiologische Veränderungen festzustellen.

Resultate erst 2002

Nach der Reise werden die Untersuchungen fortgesetzt. Die Auswertung der gesammelten Daten wird dann noch mindestens ein Jahr dauern.

Markus Haefliger

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