Frühwarner aus dem All
Bald werden Schweizer Wissenschaftler Daten vom Erdbeobachtungs-Satelliten "Envisat" analysieren.
Ein Team der Uni Zürich ist daran, die Instrumente für die Auswertung der Daten zu eichen, die der stärkste und modernste Satellit Europas an die Erde sendet.
Envisat soll der Wissenschaft helfen, klimatische Veränderungen wie das schnelle Abschmelzen der polaren Eiskappen, das Phänomen El Niño und das Schwinden der Ozonschicht besser zu verstehen. Er ist also eine Art Frühwarnsystem für Naturkatastrophen.
Ab März, wenn die Eichung abgeschlossen ist, kann dank den vom Satelliten erhaltenen Daten eine noch nie da gewesene Präzision erreicht werden, wie Urs Frei ausführt, der das Schweizer Wissenschaftsteam am Geografischen Institut der Universität Zürich leitet.
Der Envisat wurde im März 2002 in seine Umlaufbahn gebracht. Aufgrund der seither empfangenen Daten verspricht sich das Zürcher Team Grosses vom Satelliten.
«Die verschiedenen Instrumente an Bord des Envisat haben bereits eine riesige Datenfülle gesandt», erklärte Frei gegenüber swissinfo.
Präzisionsinstrument
Die zehn Sensoren des Envisat können winzige Änderungen an der Erdoberfläche, in der Oberflächentemperatur der Meere und in der Atmosphäre feststellen.
«Eines der Instrumente an Bord misst die Oberflächentemperatur der Ozeane; damit kann die Richtung der Meeresströmungen überwacht werden. Das hilft uns, die Abläufe des Wetters besser zu verstehen», so Frei weiter.
Zwar wird der Satellit, der die Erde alle 100 Minuten einmal umkreist, Zeit und Ort von Naturkatastrophen kaum genau voraussagen können. Doch seine Technologie kann als Frühwarnsystem dienen.
«Ich bin überzeugt, dass es möglich wird, die Wahrscheinlichkeit von Naturkatastrophen wie Überschwemmungen und Erdrutsche abzuschätzen. Damit können dann frühzeitig Gegenmassnahmen ergriffen werden, um die Auswirkungen solcher Geschehnisse zu mildern», erklärte Frei.
Riesige Datenmengen
Der Envisat wird fünf Jahre im Weltall bleiben. Die Instrumente an Bord sind so empfindlich, dass sie aus einer Höhe von 800 km über der Erdoberfläche feststellen können, wenn eine Strasse in einer Stadt sich um einen Millimeter absenkt.
Der Envisat braucht drei Tage, um eine Karte der Erde zu erstellen. Auf der Erde wäre dazu ziemlich viel mehr Computerarbeit nötig.
Die täglich vom Satelliten übermittelten Daten würden die Festplatten von rund 500 PCs füllen.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 14 Ländern beteiligten sich am 2,3 Milliarden € (3,35 Milliarden Schweizer Franken) teuren Projekt.
swissinfo, Jacob Greber und Karin Kamp
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