Gefährlicher Felssturz
Ein Felssturz hat am Wochenende einen Autobahntunnel am Brienzersee verschüttet.
Nach bisherigen Erkenntnissen gab es keine Verletzten oder Verschütteten.
Rund 375 Tonnen Fels haben am Samstag den 1350 Meter langen Autobahntunnel «Chüebalm» bei Iseltwald (BE) auf einer Länge von 50 Metern verschüttet.
Die Felsmassen durchschlugen die Tunneldecke und stürzten auf die Fahrbahn. Die Autofahrer konnten rechtzeitig bremsen. 16 Menschen aus der Umgebung wurden evakuiert, da weitere Felsabbrüche drohten.
Autobahntunnel eingebrochen
Die Felsmassen an der «Marchfluh» auf der Südseite des Brienzersees lösten sich nach Polizeiangaben am Samstag gegen 13.15 Uhr. Rund 150 Kubikmeter trafen den Vorbau des Chüebalmtunnels und brachten diesen so genannten Tagbaubereich des Tunnels zum Einbruch.
Zum Zeitpunkt des Felssturzes waren laut Polizei aus beiden Richtungen Autos unterwegs. Nach bisherigen Erkenntnissen konnten alle rechtzeitig anhalten.
Abschliessende Gewissheit besteht jedoch vorerst nicht, da die Suche wegen der Gefahr weiterer Abstürze nicht aufgenommen werden konnte. Ein Auto wurde beschädigt, dessen Insassen konnten sich aber zuvor in Sicherheit bringen.
Nicht das erste Mal
Wie der Berner Geologe Marc Wenger der «SonntagsZeitung» sagte, stürzten die Felsmassen auf den Übergang vom Tunnelvorbau zum Fels. Einer der Felsblöcke habe die Dynamik eines Geschosses entwickelt. Die Tunneldecke sehe aus wie ein Einschusskrater.
Laut Wenger ist das Gebiet als felssturzgefährdet bekannt, dass die Felsen das Tunneldach durchbrechen, war aber nicht erwartet worden. Schon am 29. Dezember und an Silvester waren Felsstürze niedergegangen, denen die Tunneldecke aber stand gehalten hatte.
Gefahr nicht gebannt
Laut den Behörden ist die Felssturz-Gefahr noch nicht gebannt. Der Gemeindeverwalter von Iseltwald, Kurt Kormann, rechnet damit, dass nochmals ein Felssturz von ähnlicher Grösse kommen wird.
An eine Räumung des Tunnels sei deshalb vorerst nicht zu denken, hiess es am Sonntag. Auch die Evakuierten konnten noch nicht in ihre Häuser zurückkehren. Laut Kormann wollen die Behörden vorerst bis Montag zuwarten, da sie mit einem natürlichen Abgang der losen Felsmassen rechnen.
Andernfalls werde man sich auch eine Sprengung überlegen. Der Schaden des Felssturzes lässt sich laut Kormann noch nicht genau abschätzen, er dürfte die Millionengrenze allerdings übertreffen.
Autobahn gesperrt
Die Nationalstrasse A8 Brienz – Interlaken bleibt im betroffenen Bereich in beiden Richtungen voraussichtlich mehrere Wochen lang gesperrt. Der Verkehr wird über die Kantonsstrasse auf der rechten Uferseite umgeleitet.
swissinfo und Agenturen
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