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Halali auf den Wolf

Ob er um sein Leben rennt oder im Blutrausch eine Herde angreift? Keystone Archive

Der Ständerat bläst zur Jagd auf den Wolf. Er will, dass der Bundesrat die Sache prüft. Tierschützer sprechen von einem falschen Signal.

Der Wolf gefährdet die Alpwirtschaft und den Tourismus. Dieser Meinung ist der Bündner Christdemokrat Theo Maissen. Und deshalb will er nicht, dass der böse Wolf geschützt wird. Auch für die Gefährdung von Menschen gebe es in der Literatur Hinweise. Selbst sei der Wolf nicht gefährdet, für die Arterhaltung der Schutz nicht nötig, denn Wölfe gebe es in Europa genug.

Tierquäler Wolf

Neben den materiellen Schäden werde ausser Acht gelassen, wie doch die Nutztiere litten, wenn sie vom Wolf angefallen würden, sagte der Bündner. Finde ein Wolf eine Herde, verhalte er sich wie jemand an einem Buffet und richte ein Blutbad an.

Die Gefahr für den Tourismus sei gross. Das engbesiedelte Alpengebiet der Schweiz biete dem Wolf keinen Platz. Das Wolfskonzept sei untauglich, schloss Maissen. Ein Spielzeugschaf auf seinem Pult verlieh dem Anliegen Maissens zusätzliches Gewicht.

Das Wolfskonzept des Bundes sieht vor, dass Wölfe erst geschossen werden dürften, wenn sie 50 Nutztiere gerissen hätten.

Blutrausch auf dem Schlachtfeld

Weitere Votanten unterstützten Maissen. Mehrere Abgeordnete verwiesen auf den Blutrausch des Wolfs. So ein Räuber nämlich mache aus der Alpweide im Gegensatz zum Luchs ein «Schlachtfeld».

Interessierten offerierte der Walliser Rolf Escher fotografische Zeugnisse einer solchen Walstatt an. Auch schilderte er hervorquellende Gedärme, blossliegende Knochen und das stille Leiden der wolligen Kreatur.

Überhaupt, so befand Bergler Escher, sei die Sympathie für den Wolf ein städtisches Symptom. Würde der Wolf sein Wesen am Zürcherischen Uetliberg oder im Bernischen Bremgartenwald treiben, wäre es mit dem Tierschutz bald vorbei.

Isegrimm weniger beliebt als Luchs

Bundespräsident Moritz Leuenberger stellte fest, dass offenbar das Motto «pereat lupus, fiat Luchs» herrsche. Er wies darauf hin, dass die Ansiedlung der Wölfe nicht wie bei den Luchsen gezielt passiere. Die Tiere wanderten einfach ein. Das es vor allem männliche Tiere seien, hielt er fest: «Zu einer Kopulation, die dann eine Population zur Folge hätte, ist es in der Schweiz noch nicht gekommen.»

Zudem sei die Schweiz beim Schutz der Wölfe an internationale Konventionen gebunden. Wolle man die Tiere zum Abschuss freigeben, müssten die Abkommen gekündigt werden.

Der Ständerat zeigte keine Gnade mit Meister Isegrimm. Er hiess Maissens Motion mit 18 zu 9 Stimmen gut, will ihn also nicht mehr schützen.

Rotkäppchen lebt

Umweltschutzorganisationen sprachen von einem falschen Signal im Artenschutz. «Rotkäppchen lebt – jedenfalls im Ständerat», kritisierte Pro Natura. Durch die Annahme der Motion käme kein Wolf weniger in die Schweiz. «Wölfe befassen sich weder mit Politik, noch halten sie sich an Staatsgrenzen», teilte auch der WWF mit.

Deshalb würden sie ohne Schutzmassnahmen auch in Zukunft Nutztiere reissen. Der Entscheid des Ständerats sei zudem ein Affront gegen die Nachbarländer Deutschland, Frankreich und Italien, in denen Wölfe lebten. Zwar gebe es auch dort Konflikte mit der Landwirtschaft, eine Kündigung der Berner Konvention ziehe aber niemand in Betracht.

swissinfo und Agenturen

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