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Katerstimmung beim Konsum: Grösster Einbruch seit 1990

Keine Einkaufslust bei Schweizerinnen und Schweizern. Keystone

Die Konsumenten-Stimmung in der Schweiz ist im Oktober eingebrochen. Der Index sank gegenüber Juli um 29 Punkte auf den Stand von -17 Punkten.

Ereignisse wie die Terror-Anschläge in den USA oder das Swissair-Debakel hinterlassen ihre Spuren. Einen ähnlich starken Rückschlag hatte die Konsumenten-Stimmung letztmals vor dem Golf-Krieg im Oktober 1990 erlitten, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) am Donnerstag bekannt gab.

Dennoch ist der Index laut seco nach wie vor über dem Stand, auf dem er zwischen Oktober 1990 und Oktober 1997 gelegen hatte, abgesehen von einer vorübergehenden Besserung von Mitte 1994 bis Mitte 1995.

Massiver Einbruch

Beim seco war dieser drastische Rückgang erwartet worden, erklärte Chefökonom Aymo Brunetti.

«Negativ überrascht» über das Ausmass des Einbruchs zeigte sich dagegen Andreas Höfert, Ökonom von UBS Warburg. Nach den Terroranschlägen vom 11.September und dem Swissair-Debakel sei allerdings mit einer schlechteren Konsumentenstimmung zu rechnen gewesen.

Ungewisse Entwicklung

Von den drei Teil-Indizes, aus denen das seco den Index der Konsumenten-Stimmung berechnet, fiel jener der Entwicklung der Wirtschaftslage am schlechtesten aus. Dieser Teil-Index brach von +24 Punkten auf -51 Punkte ein.

Kaum schlechter als vor drei Monaten wurde dagegen die finanzielle Lage der Haushalte beurteilt. Der Teil-Index über die erwartete Lage blieb mit 3 Punkten nach 11 Punkten im Juli noch im positiven Bereich, wie Brunetti sagte. Die Bewertung der vergangenen Finanzlage blieb bei -1 Punkt praktisch unverändert.

Angst um Arbeitsplätze

Der Teil-Index über die kommende Wirtschaftsentwicklung verlor gegenüber der letzten Erhebung hingegen 70 Punkte. Massive Einbrüche gab es teilweise auch bei den übrigen Indikatoren, die nicht in den Index einfliessen. Die Sicherheit der Arbeitsplätze wurde mit 68 Punkten tiefer bewertet.

Schweizerinnen und Schweizer hielten im Oktober den Zeitpunkt für grössere Anschaffungen wie Autos oder Möbel für erneut ungünstiger, wie die Umfrage bei rund 1’100 Haushalten weiter zeigt. Günstig eingeschätzt wurde dafür die Möglichkeit, Ersparnisse zu bilden.

Psychologische Faktoren

Bernard Lambert, Analyst bei der Bank Pictet & Cie., hatte mit einem Einbruch des Konsumentenstimmungs-Indexes auf -5 bis -10 Punkte gerechnet. «Zu den ökonomischen Sorgen kamen psychologische hinzu. Der Amoklauf in Zug und die Katastrophe im Gotthard verunsicherten die Konsumenten», sagt er.

Délia Nilles vom Konjunkturforschungs-Institut Créa in Lausanne rechnet damit, dass die Konsumenten-Stimmung den Tiefpunkt erst Anfang nächsten Jahres überwinden wird. seco-Ökonom Brunetti sagt seinerseits, wenn weitere Schocks ausblieben, könnte schon bald mit einer Erholung der Konsumenten-Stimmung gerechnet werden.

Faktor Arbeitslosigkeit

UBS-Ökonom Höfert erklärt, wichtig für die Konsumenten-Stimmung in der Schweiz sei, ob sich die internationale Konjunktur erhole. Zur Zeit gebe es aber keine Anzeichen für eine Erholung.

Zudem spielt die Arbeitslosen-Quote eine wichtige Rolle. Mit 1,9 Prozent sei diese im Oktober überraschend hoch ausgefallen, sagt Höfert. Im November dürfte die Arbeitslosigkeit als Folge des Swissair-Debakels noch steigen. «Eine höhere Arbeitslosigkeit dämpft zugleich die Konsumenten-Stimmung», erläutert Höfert.

swissinfo und Agenturen

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