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Nashorn-Bulle verzweifelt gesucht

Spitzmaulnashorn Samira im Zoo Zürich. swissinfo.ch

Der Zürcher Zoo sucht verzweifelt nach einem Bullen für seine beiden Spitznashorn-Weibchen, seit der Zuchtbulle vorzeitig gestorben ist.

Der Zoo nimmt mit vielen europäischen Zoos an einer internationalen Nashorn-Kampagne teil, um deren Erhalt in der Wildbahn zu fördern.

Nashörner sehen aus wie Wesen aus einer anderen Zeit und gehören zu den bedrohtesten Tierarten der Welt. Mit einer Kampagne wollen die europäischen Zoos, unter ihnen auch der Zürcher, die Situation dieser Tiere in der Wildnis verbessern.

Die Zoos sammeln rund 550’000 Franken für 13 Projekte in Afrika und Asien. Ausgewählt wurden Projekte, welche die Population schützen und zu deren Wachstum beitragen, wie Robert Zingg, Kurator des Zoos Zürich, erklärte.

Zürich, wo zwei Spitzmaulnashorn-Weibchen leben, unterstützt Projekte in Kenia, der Heimat dieser Art. Angestrebt werden 30’000 Franken.

Dazu wurde der Comic «Drei Nashörner in Afrika» kreiert, der die Gefährdung der Tiere und die Schutzbemühungen thematisiert – Happy End garantiert.

Potenzsteigerndes Horn

Die Situation der Nashörner in der Wildnis ist alarmierend: Ausgerechnet ihr Merkmal – das Horn – hat beinahe zu ihrer Ausrottung geführt. Die Chinesen etwa glauben an die Potenz steigernde Kraft der aus miteinander verpappten Haaren bestehenden Gebilde.

Intensive Bejagung und Bürgerkriege führten zum massiven Rückgang der Bestände. In Asien leben noch 2400 Panzer-Nashörner. Eine im Kongo lebende Unterart des Breitmaul-Nashorns dürfte laut Zingg ausgerottet worden sein. Am besten sei die Situation der Breitmaul-Nashörner in Südafrika.

Bedroht ist auch das ostafrikanische Spitzmaul-Nashorn. Dessen Bestand hat sich zwar erholt, doch die meisten der 3600 Tiere leben streng bewacht in Reservaten. Die Einzelgänger lieben kupiertes Gelände in der Buschsavanne. Etwa 270 Tiere leben in Zoologischen Gärten, zwei davon in Zürich.

Hoffnungsträger vorzeitig gestorben

Samira schert sich einen Deut darum, dass sie zu einer aussterbenden Art gehört. Seelenruhig stopft das 4-jährige Spitzmaul-Nashornmädchen Zweige und Laub in sein Maul. Zwischendurch wirft es einen Blick auf die Menschen. Dann stapft es auf und ab und zeigt schliesslich nur noch sein breites Hinterteil.

Als Samira vor zwei Jahren von Hannover nach Zürich kam, hoffte man, dass sie und die mittlerweile 9-jährige Wanda für Nachwuchs sorgen. Samira ist denn auch bald geschlechtsreif. Der als Zuchtbulle vorgesehene Parky indes starb vergangenen Dezember – ohne sich fortgepflanzt zu haben.

Seither sucht der Zoo einen Bullen für seine beiden Weibchen. Die Suche dürfte sich aber gemäss Zingg hinziehen. Das Europäische Erhaltungszucht-Programm für Spitzmaul-Nashörner sei knapp mit Bullen dotiert. Ein aus Südafrika angebotenes Tier habe sich leider als Breitmaul-Nashorn entpuppt.

swissinfo und Agenturen

Anfang des 20. Jahrhundert lag der weltweite Bestand an Nashörnern man bei rund 1 Million Tieren. 1970 waren es nur noch rund 70’000. Heutige Schätzungen gehen von noch 18’000 Tieren aus.

Der Zoo Zürich hat seit 1949 Spitzmaul-Nashörner in seinem Bestand. Zwischen 1970 und 1995 sind acht Tiere dieser Art in Zürich geboren worden.

Die Kampagne «Rettet die Nashörner!» wird von der Europäischen Zoo- und Aquarienvereinigung (EAZA) mit Unterstützung von der Organisation «Save the Rhino International» organisiert.

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