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Wie weiter nach dem Jobverlust im Internationalen Genf?

Mitarbeiter der Vereinten Nationen mit Sitz in Genf halten bei einer Demonstration am 1. Mai 2025 in Genf Plakate hoch, um gegen drastische Mittelkürzungen zu protestieren.
UNO-Mitarbeitende an einer Demonstration am 1. Mai 2025 in Genf, die sich gegen drastische Mittelkürzungen richtete. Afp Or Licensors

Im vergangenen Jahr wurden in Genf über 1300 Mitarbeitende von Hilfsorganisationen entlassen. Viele möchten in der Schweiz bleiben.

Simone Holladay arbeitete acht Jahre lang für eine UNO-Organisation, ihre Einsätze führten sie in Länder wie den Südsudan und den Jemen. In den letzten drei Jahren war sie in Genf tätig, bevor sie im April 2025 mit einer Kündigungsfrist von einem Monat entlassen wurde.

Der Grund, der ihr für die Entlassung nach jahrelangen Einsätzen, bei denen sie ihr Leben riskierte, genannt wurde: «strukturelle Anpassungen».

«Ich war wütend, enttäuscht und traurig. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, aber ich wusste, dass ich in der Schweiz bleiben wollte», sagt sie.

In Genf sind rund 750 internationale Organisationen ansässig, darunter ein Netzwerk lokaler Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die insgesamt etwa 36’000 Menschen aus 41 Ländern beschäftigen.

Seit dem Stopp der US-Finanzierung der UNO Anfang 2025 wurden weltweit mehr als 20’000 Stellen im gesamten UNO-System abgebaut. Hinzu kommt die Reforminitiative «UN80», eine umfassende Sparmassnahme im gesamten UNO-System, die den Abbau von rund 6900 Stellen und die Zusammenlegung Dutzender Organisationen vorsieht. Sie ist vor allem eine Reaktion auf eine schwere Finanzkrise, die durch ausstehende Beiträge der Mitgliedstaaten ausgelöst wurde.

In Genf wurden laut Angaben des Schweizer Aussenministeriums seit Januar 2025 rund 1305 Mitarbeiter der UNO und von NGOs sowie Berater:innen entlassen.

«Betrachtet man jedoch die internationale Gemeinschaft als Ganzes, einschliesslich NGOs und Berater – für die uns keine genauen Zahlen vorliegen, da diese Beschäftigten über Aufenthaltsgenehmigungen statt über Legitimationsausweise des Aussenministeriums verfügen –, ist die Zahl der verlorenen Arbeitsplätze sicherlich höher», sagt die Sprecherin des Ministeriums, Paola Ceresetti.

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Die Arbeitslosigkeit ist angestiegen

Menschen, die ihre gesamte berufliche Laufbahn im UNO-System verbracht haben und nun entlassen wurden, stehen vor zwei Optionen: entweder auf dem angespannten Arbeitsmarkt in der Schweiz eine neue Stelle zu finden oder das Land zu verlassen.

Nach den jüngsten vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) veröffentlichten Daten lag die Arbeitslosenquote in der Schweiz im Juni 2026 bei 3%, während sie im Kanton Genf 5% betrug – der höchste Stand seit zehn Jahren. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 lag die Quote in der Schweiz bei 2,3%.

«Die Beendigung des Arbeitsverhältnisses bei einer internationalen Organisation führt nach einer Kulanzfrist – in der Regel zwei Monate – zum Verlust der Aufenthaltsbewilligung, die nur unter sehr strengen Bedingungen verlängert wird», erklärt Céline Moreau, Rechtsanwältin in Genf.

Bürger:innen der Europäischen Union, die länger als ein Jahr in der Schweiz gearbeitet haben, dürfen sich bis zu sechs Monate im Land aufhalten. Wenn sie ein Jahr lang gearbeitet haben, können sie diesen Aufenthalt um weitere sechs Monate verlängern.

UNO-Mitarbeitende haben jedoch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld, da sie keine Steuern zahlen.

«Die Betroffenen müssen daher entweder eine andere Stelle bei einer internationalen Organisation finden – in diesem Fall erhalten sie eine neue Aufenthaltsbewilligung – oder eine andere Grundlage finden, um ihren rechtlichen Status in der Schweiz aufrechtzuerhalten, sei es durch familiäre Bindungen oder eine neue Beschäftigung», so Moreau.

Dank ihres EU-Passes konnte Holladay in der Schweiz bleiben. Durch Networking auf LinkedIn gelang es ihr, einen befristeten Vertrag als Analystin bei einer auf Gesundheitsfragen spezialisierten NGO in Genf zu erhalten.

«Es ist zwar nur eine Mutterschaftsvertretung, aber ich bin dankbar für das, was ich habe, da ich weiss, dass es viele gibt, die immer noch zu kämpfen haben. Ich nehme jeden Tag, wie er kommt, und diese ganze Erfahrung war letztendlich ein Glücksfall. Diese Zeit gab mir die Chance, wieder zu mir selbst zu finden und mir klar zu werden, was ich will», so Holladay.

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Ein schwieriger Übergang

«Die Jobsuche und der Wechsel in die Privatwirtschaft sind nicht einfach», sagt Guillaume Stollsteiner, Gründer von Transition & Performance, einer Schweizer Personalberatungsfirma.

Er unterstützt ehemalige UNO-Mitarbeitende bei ihrem Wechsel in die Privatwirtschaft: «Die meisten tun sich schwer, weil der Aufbau eines Netzwerks in der Schweiz mehr als zwei Monate dauert. Diese Menschen haben keinen Anschluss an den lokalen Arbeitsmarkt.

Aus Sicht der Unternehmen ist nicht wirklich klar, was Mitarbeiter internationaler Organisationen eigentlich tun. Zwischen diesen beiden Welten muss eine riesige Brücke geschlagen werden.»

Anna, eine ehemalige UNO-Mitarbeiterin, die anonym bleiben möchte, begann ihre Karriere als Praktikantin in Genf. Anschliessend arbeitete sie über ein Jahrzehnt lang in Konfliktgebieten in neun Ländern auf sechs Kontinenten. Im Januar 2025 zog sie in die Schweiz und erfuhr zwei Wochen später, dass ihr Vertrag auslaufen würde.

«Mit dem Regierungswechsel in den USA wurden etwa 65% bis 75% der Mittel für die Projekte, an denen ich arbeitete, über Nacht gekürzt. Das war sehr drastisch und ein ziemlicher Schock für mich. Wir hatten keine Ahnung, wie sich das auf unsere Arbeitsplätze, unsere Projekte und vor allem auf die Menschen vor Ort auswirken würde, für die ein Grossteil dieser Mittel überlebenswichtig war», sagt sie.

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Sie bewarb sich auf mehr als 150 Stellen und hatte sechs Vorstellungsgespräche, konnte sich aber letztendlich keine Stelle sichern. Da sie ihren Aufenthalt nicht verlängern konnte, musste sie in die USA zurückkehren.

«Ich habe es geschafft, ganz von vorne anzufangen und mein Leben neu aufzubauen. Das hat mir gezeigt, wie stark die Kraft der Resilienz ist. Wenn sich eine Tür schliesst, öffnet sich manchmal ein Fenster», sagt sie. Sie arbeitet nun in der Privatwirtschaft in Austin, Texas.

«Viele Menschen fühlen sich verloren. Sie haben kein Ziel mehr vor Augen und wissen nicht, wohin sie sich wenden sollen. Da ich 30 Jahre lang im UNO-System gearbeitet habe, nutze ich nun die Fähigkeiten, die ich in der Diplomatie erworben habe, um Frauen in Führungspositionen zu coachen», sagt Sima Newell, eine ehemalige UNAIDS-Mitarbeiterin mit Sitz in Genf, die 2017 nach einem Burnout entlassen wurde.

Sie sagt, dass es den meisten Menschen, mit denen sie zusammengearbeitet hat, gelungen ist, wieder Fuss zu fassen: «Es kommt vor allem darauf an, Geduld zu haben, motiviert und ehrgeizig zu sein.»

Editiert von Virginie Mangin/gw, Übertragung aus dem Englischen: Giannis Mavris

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