Presseschau vom 02.04.2003
Einmal mehr leidet die Zivilbevölkerung im Krieg am meisten. Etliche Schweizer Zeitungen kommentieren das Elend in Irak.
Daneben beschäftigen die vier Buchstaben SARS die Öffentlichkeit und die Medien.
«Sars. Vier Buchstaben, die vor Wochen noch gar nichts bedeuteten. Heute ist das Wort weltweit in aller Munde.»
So die NEUE LUZERNER ZEITUNG. Das Blatt findet, dass sich sogar der Bundesrat wegen einer Krankheit zu einer Sondersitzung treffe, sei ungewöhnlich:
«Da mag es irritieren, wenn kurz darauf die Entwarnung folgt. Man habe nur ‚Vorsichtsmassnahmen‘ für die morgen beginnende Uhren- und Schmuckmesse in Basel und Zürich getroffen.»
Die Schweiz nämlich befinde sich gar nicht in einer epidemiologisch Besorgnis erregenden Situation.
Messe als Opfer
Warum nur diese Massnahmen, fragt die BASLER ZEITUNG. In Basel findet eben zum grössten Teil diese Uhren- und Schmuckmesse statt. So titelt denn die Zeitung:
«Bundesrat macht Sars zum Messe-Gau!»
Und weiter kann man in der BaZ lesen:
«Mit der beschlossenen Massnahme, allen asiatischen Personen aus vier Ländern das Arbeiten an der vor der Eröffnung stehenden Messe zu verbieten, will der Bundesrat der neuen Lungeninfektion Sars begegnen. Das erste Opfer ist nun die Messe selber.»
Restlos aufklären
Der BLICK findet, der Bundesrat handle inkonsequent. Und daher fragt sich das Blatt, was denn nun gelte, ob Sars gefährlicher sei, als man uns glauben liess?
«Wir haben aber ein Recht darauf, exakt über Ursachen und Risiken dieser Todesseuche aufgeklärt zu werden. Denn Viren halten sich nicht an Grenzen.»
Wenn bei uns die Weltmesse für Uhren und Schmuck ein Opfer ist, dann sind es anderswo, in Irak, die Kinder und die Zivilbevölkerung generell. Die AARGAUER ZEITUNG:
Den Kindern den Krieg erklären
«Wir Eltern haben es grundsätzlich schwer. Doch in diesen Tagen sind wir zusätzlich gefordert.»
Der Krieg in Irak beschäftige die Kinder. Sie würden Fragen stellen und das sei unangenehm. Doch was sollen wir ihnen, den Kindern, denn antworten? Die AARGAUER ZEITUNG:
«Dass eigentlich alle Menschen Krieg im Prinzip schlecht finden, und diesen speziellen Krieg die allermeisten – und dass er dennoch nicht zu verhindern war?»
Hässlich und blutig
Der Zürcher TAGES ANZEIGER beschäftigt sich mit den zivilen Opfern des Irak-Krieges und schreibt:
«Die Amerikaner sind in den Irak-Krieg gezogen mit der erklärten Absicht, zivile Opfer möglichst zu vermeiden – aus Sorge um die Meinung der Weltöffentlichkeit und als Bestreben, die Sympathien der Einheimischen für die Operation ‚Irakische Freiheit‘ zu gewinnen.»
Doch die Amerikaner und Briten seien unfähig, sich der Abwärtsspirale zu entziehen. Denn, je überwältigender die US-Übermacht werde, desto mehr würden sich die irakischen Kräfte auf Terror und Guerillamethoden konzentrieren, schreibt der TAGES ANZEIGER und deshalb:
«Die Zukunft der militärischen Befreiung des Irak droht äusserst hässlich und blutig zu werden.»
swissinfo, Urs Maurer
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