Presseschau vom Dienstag 13.08.2002
Die Hochwasser und Überschwemmungen in verschiedenen Ländern Europas inklusive der massiven Regenfälle in der Schweiz beschäftigen die Schweizer Zeitungen am Dienstag ganz besonders.
Von «wütenden Wassermassen», von «Österreich im Bann der Fluten» ist die Rede und davon, dass die Schweiz «knapp an der Katastrophe vorbei», «noch einigermassen glimpflich davon gekommen» sei.
Gemäss Zürcher TAGES-ANZEIGER hat die Unwetterkatastrophe in weiten Teilen Europas zu hohen volkswirtschaftlichen Schäden geführt. Aber:
«Die Bilanzen sind nicht unter Wasser. Die Versicherungen stehen nicht im Sturm.»
Die BASLER ZEITUNG widmet dem Thema Klimakapriolen und Klimaschutz eine ganze Seite. Der Kommentator plädiert für raschen Klimaschutz. Wer die gegenwärtigen Unwetter als «natürliche Ereignisse» dafür missbrauche, Massnahmen zum Klimaschutz zu vertagen, irre gewaltig:
«Denn wenn das, was wir hier sehen, noch Folgen normaler Schwankungen sind, wie siehts dann erst aus, wenn das Wetter dereinst wirklich aus dem Ruder läuft?»
Die gegenwärtigen Unwetter seien als Warnung zu verstehen. Eine Warnung und Motivation auch dafür, mit den Klimaschutz-Massnahmen und dem Kyoto-Protokoll vorwärts zu machen.
«Auch wenn aufgrund der Trägheit des Klimasystems erst kommende Generationen davon profitieren werden und nicht jene, die heute im Regen stehen.»
Wert der Bildung
Im Regen stehen kann man nicht nur wörtlich, sondern auch im übertragenen Sinn. So zum Beispiel Kaderleute, die arbeitslos sind und stempeln gehen müssen.
Der TAGI macht sich auf der Titelseite Gedanken über den Wert der Bildung. Bisher sei man der Meinung gewesen, Bildung sei der Schlüssel zu wirtschaftlichem Erfolg. Nun seien aber auch hochqualifizierte Leute ohne Arbeit. Bildung sei in den letzten Jahren als Garant für Erfolg überschätzt worden:
«Das rasante Wachstum der Finanz- und Informations-Industrie hat die Saläre von Juristen, Bank- und Computerspezialisten explodieren und den Eindruck entstehen lassen, nur hochgezüchtete Kopfarbeiter würden je anständig verdienen.»
Man habe vergessen, dass auch diese Industrien den trügerischen Zyklen von Angebot und Nachfrage unterliegen. Das räche sich nun. Der Wert der Bildung bleibe aber unangetastet:
«Sie ist bloss mehr als Mittel zum Zweck. Bildung bleibt die Grundlage für aufgeklärte Bürgerinnen und Bürger und die Basis für eine zivilisierte Gesellschaft.»
Gaby Ochsenbein
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch