The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter

Psychische Leiden – ein Tabu

Weltweit leiden mehr als 400 Millionen Menschen an psychischen Problemen. Keystone

Zum Weltgesundheits-Tag vom 7. April haben weltweit Fachleute dazu aufgerufen, dem mentalen Wohlbefinden dasselbe Augenmerk zu schenken wie dem körperlichen. Besorgnis erregend sei insbesondere der schlechte psychische Gesundheitszustand vieler Jugendlichen.

Thomas Zeltner, Direktor des schweizerischen Bundesamtes für Gesundheit, betont in seinem Appell zum Weltgesundheits-Tag, dass psychische Störungen nicht nur Leiden verursachten, sondern gar das Leben verkürzen könnten. Dennoch werde die Existenz solcher Krankheiten oft verschwiegen. Rechtzeitig diagnostiziert, könnten die psychischen Krankheiten aber bekämpft und behandelt werden.

Da gebe es auch in der Schweiz viel zu tun, so Zeltner: «Wir beobachten eine zunehmende Diskrepanz zwischen der stets teurer werdenden körperlichen Gesundheit und der stagnierenden psychischen Gesundheit sowie dem Wohlbefinden.»

Besorgnis erregend sei insbesondere der schlechte psychische Gesundheitszustand vieler Jugendlichen. Deren Ausgrenzung müsse bekämpft werden. Wichtig sei auch, die ersten Symptome zu erkennen und über die entsprechenden Behandlungsmöglichkeiten zu verfügen.

Problem Arbeitsplatz

Mentale Stärke zahle sich besonders in Stress-Situationen sowie bei schweren und chronischen Krankheiten aus, betonen weitere Schweizer Fachleute. Und weisen zudem darauf hin, dass krankmachende Anspannungen und Überbelastungen der Arbeitnehmenden die Volkswirtschaft jährlich rund 4,2 Mrd. Franken kosten.

Weltweit mehr als 400 Mio. Menschen betroffen

Defizite gibt es weltweit in allen Ländern – UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat deshalb eine weltweite Strategie zur Verbesserung der psychischen Gesundheit gefordert. Mehr als 400 Mio. Menschen litten unter psychischen Problemen, ohne dass den meisten ausreichend geholfen werden könne, sagte Annan. Für 40 Prozent aller Länder seien psychische Krankheiten kein Thema. Mehr als 30 Prozent hätten keine gezielten Heil-Programme für diese Krankheitsform.

Annan fordert mehr offene Diskussionen über psychische Krankheiten und ein Durchbrechen der Isolation von psychisch Kranken. «Es ist an der Zeit, unsere eigenen Ängste wahr zu nehmen und unsere falsche Auffassung über psychische Krankheiten zu überwinden», sagte Annan.

Der Weltgesundheitstag, der von der Weltgesundheits-Organisation WHO jährlich zum 7. April ausgerufen wird, ist diesmal der psychischen Gesundheit gewidmet. Dies nicht zum ersten Mal, wie WHO-Generaldirektorin Gro Harlem Brundtland betont. Die WHO habe bereits vor 42 Jahren auf dieses Problem gezielt aufmerksam gemacht. «Seitdem ist zwar einiges geschehen, aber wir haben weiterhin (für den Kranken) das Kainsmal (Stigma) und die Diskriminierung», sagte Brundtland. Sie verwies auch auf die psychischen Auswirkungen von Krieg, Bürgerkrieg und Terrorismus.

swissinfo und Agenturen

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft