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Seit 125 Jahren fest verwurzelt

Ein Laubmischwald bei Rheinau (ZH) - die Gemeinde wurde 1999 für ihre vorbildliche Waldpflege mit 200'000 Franken geehrt. Keystone

Überschwemmungen und Murgänge waren die Auslöser, dass in der Schweiz 1876 ein fortschrittliches Waldgesetz entstand. Auch heute noch "helfen" Katastrophen den Behörden bei der Umsetzung einer modernen Waldpolitik. Das Waldgesetz - eine 125-jährige Erfolgsgeschichte, die am Freitag (22.06.) im Bündnerland gefeiert wurde.

Jeremias Gotthelf war Schriftsteller und Pfarrer im bernischen Emmental. Er war ein scharfer Beobachter der Menschen – und auch der Umwelt. Wenn der Kahlschlag so weitergehe, werde vom Emmentaler Wald in absehbarer Zeit nicht mehr übrig bleiben als «kahle Berge, die sich nie mehr beholzen werden, deren steile Flächen (…) bei Regengüssen die Wasser so schnell und unaufgehalten in die Täler senden, dass Überschwemmungen immer häufiger und immer fürchterlicher werden müssen», schrieb er 1840 im Berner Volksblatt.

Es waren unbequeme Mahner, die fürchteten, die Natur werde die Übernutzung des Waldes nicht einfach hinnehmen. Denn die Nachfrage nach Holz war gross, die wirtschaftlichen Argumente überwogen.

Überschwemmungen und die Folgen

Eine Trendwende brachte das Jahr 1868: In den Kantonen Uri, St. Gallen, Graubünden, Wallis sowie Tessin traten die Flüsse über die Ufer und brachten Zerstörung und Verwüstung. 50 Menschen starben. Die Katastrophe führte zu einem forstpolitischen Meinungs-Umschwung. 1876 wurde das erste Umweltschutzgesetz der Schweiz erlassen, das «Bundesgesetz betreffend die Oberaufsicht des Bundes über die Forstpolizei im Hochgebirge». Künftig sollte nicht mehr Holz geschlagen werden als nachwächst.

«Nachhaltigkeit» – so nennen Fachleute heute diese Bewirtschaftungs-Maxime. Und längst bezieht sich dies nicht bloss auf die Waldmenge, sondern auch auf Qualität des Waldes. Man habe immer klarer erkannt, dass die Artenvielfalt eine wichtige Rolle spiele, sagte der eidgenössische Forstdirektor Werner Schärer gegenüber swissinfo. Nur als funktionierendes Ökosystem könne der Wald seine Funktionen als Schutz, Erholungsraum und Wirtschaftsfaktor längerfristig erbringen.

«Vorausschauend handeln»

Die Waldpolitik der letzten 125 Jahre sei «zu einer Erfolgsgeschichte geworden», so Bundespräsident Moritz Leuenberger im aktuellen Bulletin des Umweltbundesamtes (BUWAL). Leuenberger betont: «Heute wollen wir nicht Katastrophen abwarten, sondern in der Umweltpolitik vorausschauend handeln.»

Allerdings: Gewisse Parallelen zu damals finden sich auch heute. Wenn Fachleute den Rückgang der Biodiversität beklagen oder auf internationale Vereinbarungen zum Schutz der Artenvielfalt verweisen, dann sind dies mahnende Worte, die nicht jeden Waldbesitzer zu einer nachhaltigen Nutzung seines Bestandes bewegen.

Lothar rüttelte auf

Wie zentral ein sorgfältiger Umgang mit dem Wald auch heute noch ist, brachte erst die Natur selber wieder ins Bewusstsein von Bürgern und Politikern. Nach dem Sturm Lothar im Dezember 1999, der nicht bloss Waldflächen in den Bergen sondern auch im Mittelland stark schädigte, war plötzlich möglich, worüber zuvor lange nur debattiert worden war. Oder mit den Worten des Forstdirektors: «Katastrophen sind immer auch Chancen für einen Neuanfang, Chancen, um neue Ideen durchzusetzen.»

Eva Herrmann

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