Auslandschweizer: Vergessene Stimmen

Stimmen der Auslandschweizer erhalten neue Bedeutung. swissinfo.ch

Bei der Abstimmung vom vergangenen Wochenende spielten die Stimmen der Auslandschweizer eine wichtige Rolle.

Dieser Inhalt wurde am 29. November 2002 - 12:51 publiziert

Jetzt wollen die Parteien das brachliegende Potenzial vermehrt aktivieren.

Die Abstimmung vom letzten Wochenende über die Asylinitiative war äusserst knapp: Nur gerade etwas über 3'400 Stimmen gaben den Ausschlag für das Nein.

Eine wichtige Rolle spielten dabei die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer. In den Kantonen Genf, Luzern und Waadt - den einzigen, welche die Stimmen aus dem Ausland separat führen und zählen - stimmten sie sehr deutlich gegen die Vorlage.

Und zwar noch deutlicher, als der Kanton Genf, der mit über 60% die Vorlage am klarsten verworfen hatte. Dies zeigt, dass die "Expats" in der politischen Schweiz durchaus eine wichtige Rolle spielen.

Potenzial unterschätzt

"Es ist eine wichtige Gemeinde, doch oftmals werden sie schlicht vergessen", sagt Julian Hottinger, Politikwissenschafter an der Universität Freiburg, gegenüber swissinfo.

Die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer dürfen seit 1992 in der Politik mitreden. Von den knapp 600'000 Personen haben sich aber nur 82'682 bei Schweizer Vertretungen registrieren lassen, um ihr Stimm- und Wahlrecht ausüben zu können. Dies entspricht einer Beteiligung von bloss 18,2%.

Die Tendenz sei steigend, sagen Verantwortliche vom Auslandschweizerdienst des Aussenministeriums gegenüber swissinfo. Man möchte den Anteil der Stimmenden in den nächsten Jahren auf 20% erhöhen. Doch die Motivierung sei nicht einfach.

Ein Thema, das auch bei der Auslandschweizer-Organisation (ASO) aktuell ist: Mit einer "Kampagne Stimmregistereintrag" geht sie aktiv auf Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer zu, um sie an die Urne zu bringen.

Rudolf Wyder, Direktor der ASO, ist aber schon mit dem Erreichten zufrieden. "Es sind viel mehr, als wir bei der Einführung des Wahlrechts erwartet hatten. Man sprach damals von 20'000 bis 30'000 Personen", sagt er gegenüber swissinfo.

Parteien entdecken Auslandschweizer

Seit letztem Wochenende sind die Auslandschweizer nun auch für die Parteien zum ernstzunehmenden Faktor geworden.

Bisher habe man die Arbeit auf einige Publikationen und persönliche Kontakte beschränkt, bestätigen alle vier Bundesratsparteien.

Doch nun hat die Schweizerische Volkspartei die Auslandschweizer auf ihre politische Agenda gesetzt. "Wir wollen eine Strategie entwickeln, um diese Stimmberechtigten ebenfalls adäquat zu informieren", sagt SVP-Generalsekretärin Aliki Panayides.

Für die Sozialdemokraten ist das Interesse an den Auslandschweizern mehr als nur eine Absichtserklärung. "Sie sind schon in unserem Aktionsprogramm für die Wahlen 2003 integriert", sagt SP-Sprecher Jean-Philippe Jeannerat gegenüber swissinfo.

FDP und CVP haben zwar noch keinen festgelegten Aktionsplan in Sachen Auslandschweizer, doch arbeite man intensiv in dieselbe Richtung wie SVP und SP, heisst es dort.

Stimmverhalten "modern"

Das besondere Abstimmungs-Verhalten der Auslandschweizer ist bekannt.

Sie stimmen laut Politologe Claude Longchamp vom GfS-Forschungsinstitut in Bern moderner, weltoffener: "Sie haben eine Aussensicht auf die Schweiz." So hätten sie zum Beispiel letzten Herbst auch die Solidaritätsstiftung angenommen.

Diese Einschätzung teilt auch Julian Hottinger: "Auslandschweizer sind empfänglicher für unsere Aussenpolitik und offener für globale Themen."

Gewagte Prognosen

Doch die These, die Auslandschweizer hätten am Wochenende allein entschieden, sei etwas gewagt, sagt Longchamp: "Man könnte dies von jeder anderen Gruppierung auch behaupten."

Ausserdem sei es riskant, von den wenigen Zahlen aus drei Kantonen auf das Abstimmungs-Verhalten der in der restlichen Schweiz registrierten Auslandschweizer zu schliessen.

swissinfo, Christian Raaflaub

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