BAZL-Direktor André Auer tritt zurück

BAZL-Direktor André Auer zieht die Konsequenzen. Keystone

Der Direktor des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL), André Auer, tritt per sofort zurück. Auer ist seit längerem unter Druck, jüngst stand er wegen dem Entscheid gegen Lugano-Agno in der Kritik.

Dieser Inhalt wurde am 29. August 2003 - 15:24 publiziert

Max Friedli vom Bundesamt für Verkehr führt interimistisch das BAZL.

BAZL-Chef André Auer war vor kurzem erneut stark unter Druck geraten. Das unerlaubte Anflugverfahren auf den Flugplatz Lugano-Agno war fünf Jahre lang toleriert worden und sollte nun umgehend geändert werden. Für Verkehrsminister Moritz Leuenberger war das "unverständlich", wie er diese Woche nach einem Treffen mit der Tessiner Regierung erklärte.

Leuenberger kündigte an, das BAZL massiv umzustrukturieren. Die Bereiche Sicherheitsaufsicht und Luftfahrtpolitik würden getrennt. Deshalb sei Anfang Juli der Basler Polizei- und Sicherheitsberater Markus Mohler zum Sicherheits-Delegierten mit Weisungsrecht ernannt worden.

Nicht "gefeuert"

Die Reorganisation des BAZL solle von einer neuen Führung an die Hand genommen werden, sagte Leuenberger am Freitag vor den Medien. Auer habe deshalb sein Amt zur Verfügung gestellt. Sie seien beide der Ansicht, dass ein Wechsel an der Spitze des Amtes im Interesse des BAZL und seiner Aufgabenerfüllung liege.

Auer sei nicht "gefeuert" worden, betonte Leuenberger. Er und Auer hätten eine gemeinsame Vereinbarung getroffen. Die Rücktrittsbedingungen seien noch nicht ausgehandelt. Denkbar wäre eine Weiterbeschäftigung Auers bei internationalen Luftverkehrs-Verhandlungen.

Probleme "verschlafen"

Der Expertenbericht des niederländischen Instituts NLR von Anfang Sommer habe festgestellt, dass das BAZL Sicherheitsprobleme in der Luftfahrt "verschlafen" habe, sagte Leuenberger. Dadurch sei das BAZL in eine Glaubwürdigkeitslücke geraten. Das auf die Swissair vertrauende Amt habe mit der Liberalisierung des Luftverkehrs nicht Schritt gehalten.

Der neue BAZL-Chef müsse nicht nur kommunikations- und konsensfähig sein, sagte Leuenberger. Er müsse auch über eine gewisse Härte und Durchsetzungsfähigkeit verfügen, weil in der Luftverkehrspolitik im Kleinstaat Schweiz alle "miteinander verbandelt" seien.

Kritik vom Parlament

Das BAZL war nach dem Grounding der Swissair ins Schussfeld der Kritik geraten. Die ständerätliche Geschäftsprüfung-Kommission (GPK) stellte in einer Untersuchung fest, dass aus ihrer Sicht das BAZL die Betriebsbewilligung der serbelnden Swissair im Dezember 2000 nur bedingt hätte erneuern dürfen.

Parteien nicht überrascht

Der Rücktritt von BAZL-Chef André Auer kommt für die Parteien nicht überraschend.

Die Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) und die Sozialdemokraten (SP) sehen in dem Rücktritt einen Schritt zu verbesserter Sicherheit im Luftverkehr. Die Freisinnigen (FDP) orten die Probleme in der Zusammenarbeit zwischen Bundesrat Leuenberger und Auer. Nach Ansicht der Schweizerischen Volkspartei (SVP) müsste Leuenberger selbst die Konsequenzen ziehen und zurücktreten.

Der 55-jährige Auer ist seit 1976 im BAZL tätig und übernahm vor zehn Jahren dessen Leitung. Er führte das Amt im turbulenten Umbruch der internationalen Luftfahrt und betreute schwierige Dossiers wie den (im Parlament gescheiterten) Staatsvertrag mit Deutschland über die Anflüge auf den Flughafen Zürich-Kloten.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

André Auer tritt als Chef des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL) zurück. Er räumt seinen Posten nach über zehn Jahren. Die Sicherheitsaufsicht des BAZL soll völlig reorganisiert werden.

Die geplante Reorganisation des BAZL soll von einer neuen Führung an die Hand genommen werden. Die interimistische Leitung übernimmt der Direktor des Bundesamtes für Verkehr, Max Friedli.

Auer war nach der vor Wochenfrist aus Sicherheitsgründen angeordneten Einschränkung des Flugbetriebs auf dem Flughafen Lugano-Agno zunehmend unter Druck geraten.

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