Sag mir wo die Frauen sind
Hausinterne Forschung in Schweizer Unternehmen bleibt eine Männerdomäne - und wird zunehmend von gut ausgebildeten Ausländern besorgt.
Der Anteil der Frauen, die in Schweizer Firmen in der Forschung und Entwicklung tätig sind, ist seit 1996 kaum angestiegen: Frauen belegen gerade einmal jede fünfte der 41’350 Stellen.
Überdurchschnittlich stark vertreten sind Frauen in der Pharmazeutischen und Chemischen Industrie, wo sie immerhin 36% des Personals ausmachen. Dies zeigt die jüngste Erhebung des Bundesamts für Statistik (BFS) über Forschung und Entwicklung in der schweizerischen Privatwirtschaft.
Nationalfond hebt für Frauen Altersgrenze auf
Nicht nur betriebsinterne, auch die durch den staatlichen Nationalfonds geförderte Forschung wird von Männern dominiert. Um Frauen zu einer wissenschaftlichen Laufbahn zu ermuntern, entschloss sich der Nationalfonds kürzlich, bei Forschungs-Stipendien für Frauen die Altersgrenze aufzuheben. Künftig können also Frauen – im Unterschied zu Männern – unabhängig von ihrem Alter ein Gesuch um ein Forschungs-Stipendium einreichen.
Diese neue Regelung werde im Januar 2002 für eine Dauer von zwei Jahren in Kraft treten und danach ausgewertet, liess der Nationalfonds am Mittwoch in einem Communiqué verlauten. Bis zum jetzigen Zeitpunkt war in der Schweiz die Altersgrenze für die Stipendien für junge Forschende auf 33 Jahre und für Fortgeschrittene auf 35 Jahre festgelegt.
Mehr gut gebildete ausländische Kräfte
Während der Frauen-Anteil in der Forschung von Schweizer Unternehmen in den letzten Jahren stagnierte, legten ausländische Arbeitskräfte um einen Drittel markant zu. Diese ausländischen Forschenden sind – wie die BFS-Studie aufzeigt – durchschnittlich wesentlich besser ausgebildet als deren inländische Kollegen: 57% des ausländischen Forschungs-Personals verfügen über einen Hochschulabschluss. Nur 30% der Schweizer können mit einem vergleichbaren Diplom aufwarten.
Grosses Engagement der Wirtschaft
Insgesamt zeichnet die BFS-Studie jedoch ein positives Bild: So befindet sich die Schweiz bei den Aufwendungen für firmeninterne Forschung insgesamt in der Spitzengruppe der wichtigsten OECD-Länder. Gemessen am Bruttoinlandprodukt lag die Schweiz im Jahr 2000 mit 1,9% hinter Schweden, Finnland, den USA und Japan an fünfter Stelle. Will heissen: Die Schweizer Unternehmen leisten einen wesentlichen Beitrag für den Erhalt der Wettbewerbs-Fähigkeit und damit den Wirtschafts-Standort Schweiz.
Allerdings sei Selbstgefälligkeit bei den Unternehmen völlig fehl am Platz, erklärte Andreas Steiner, Präsident der Forschungs-Kommission beim Unternehmer-Verband economiesuisse, am Donnerstag in Zürich. Es herrsche im Schweizer Bildungssystem «einiger Reformbedarf». Konkret fordert economiesuisse etwa ein dezentrales System weitgehend autonomer Hochschulen, die beschleunigte Einführung von Fachhochschulen oder mehr staatliche Gelder für Bildung und Forschung.
Gesamtbild erst Ende 2002
Die am Donnerstag vorgestellte BFS-Studie erlaubt es nicht, abschliessend zu beurteilen, wie es in der Schweiz um Bildung, Forschung und Entwicklung tatsächlich steht. Dazu fehlen die Erhebungen zum Engagement des Bundes und der Hochschulen. Die entsprechenden Studien sind derzeit in Bearbeitung und erscheinen im Verlauf des kommenden Jahres, wie eine BFS-Sprecherin gegenüber swissinfo erklärte.
Die mit Spannung erwartete zusammenfassende Synthese der drei Einzelstudien (Privatwirtschaft, Bund, Hochschulen) ist für die Weihnachtszeit 2002 geplant. Ob man sich über das Geschenk des BFS wird freuen können, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen.
Die Latte ist jedenfalls hoch gelegt: In der letzten Erhebungs-Runde 1996 schaffte es die Schweiz innerhalb der OECD hinter Schweden und Japan sowie vor den USA auf Platz 3.
Felix Münger
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