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Teures Sparen an der Bildung

Die Lehrkräfte demonstrierten friedlich, aber mit klaren Forderungen. Keystone

Am Freitag blieben viele Zürcher Schulkinder zu Hause, im ganzen Kanton war ein Grossteil der Lehrerinnen und Lehrer im Streik oder machte bei Aktionen mit.

«Keine Macht den Sparschweinen», stand auf einem Transparent: Die Demonstrierenden forderten einhellig, der Kanton müsse das Sparprogramm zurücknehmen.

Helen Wanner, seit 31 Jahren Handarbeitslehrerin im Quartier Wollishofen in Zürich, machte zum ersten Mal an einer Demonstration mit. Sie wehrt sich gegen den Stellenabbau im Bildungsbereich, gegen grössere Klassen, gegen weniger Stützunterricht und vor allem gegen den Abbau der Handarbeitsstunden:

«Die Schmerzgrenze ist erreicht. Mit diesen wenigen Stunden ist die Qualität nicht mehr gewährleistet.»

Tausende junge und ältere Lehrerinnen und Lehrer waren am Freitag auf den Strassen, auf den Plätzen und vor, statt in den Schulhäusern. Das Fass sei voll, die Schmerzgrenze des Sparens erreicht, so der Tenor.

Reaktionen mehrheitlich positiv

Bereits am Morgen verteilten Lehrkräfte an den Bus- und Tramstationen Flugblätter mit den Sparplänen der Regierung und ihrer Kritik daran.

5678 streikende Volksschul-Lehrkräfte aus 293 Schulhäusern verzeichnete der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband, darunter auch einige wenige Kindergärtnerinnen. Gemäss diesen Angaben machte somit weit mehr als die Hälfte der Lehrkräfte im Kanton Zürich am Protesttag mit.

Über 2000 verweigerten den ganzen Tag ihre Arbeit, mehr als 2500 den halben Tag. Die übrigen legten eine einstündige Protestpause ein.

Den Schülerinnen und Schülern gefiels, doch auch Passantinnen und Passanten waren grösstenteils mit dem Protest einverstanden. «Bei der Bildung kann man wirklich nicht sparen», unterstützte eine Frau die Forderungen der Lehrkräfte.

Nur vereinzelt wurden Stimmen laut, dass in der Privatwirtschaft schon lange gespart werde, auch die Staatsangestellten hätten in der jetzigen Krise ihren Beitrag zu leisten.

Bildung zu Grabe getragen

Lanciert worden war der Protesttag primär von den Organisationen der Volksschul-Lehrkräfte. Doch schliesslich machten auch beispielsweise die Hochschule für Gestaltung oder das Konservatorium mit.

An der Schlusskundgebung am frühen Abend in Zürich trugen einige Personen einen Sarg mit – sie trugen symbolisch die Bildung zu Grabe.

«Sparen in der Bildung lohnt sich nicht, weil es uns in Zukunft teuer zu stehen kommt», stand auf einem Transparent. Auf einem anderen: «Kopf – Hand – Herz», dies dürfe nicht ausgehöhlt werden. Und: «Ohne Schule stirbt der Staat.»

Die Chancengleichheit werde aufs Spiel gesetzt, hiess es immer wieder.

«Bildung ist kein lästiger Budgetposten. Und es ist unsere Aufgabe, mit diesem Streiktag darauf aufmerksam zu machen», sagte Urs Loosli, Präsident des Sekundarlehrer-Verbandes Zürich.

Unzufrieden auch mit dem Bund – und den Eltern

Die Proteste richteten sich jedoch nicht nur gegen die Zürcher Regierung, die Rednerinnen und Redner griffen auch die soeben im nationalen Parlament beschlossenen Steuergeschenke an. Damit gebe es weniger Geld für die Kantone, und somit müssten die Schulen abbauen.

Wichtig sei es auch, betonte ein Lehrer, dass die Eltern etwas «schnallen müssen». Lehrer seien keine Sozialarbeiter, die Schule keine Reparaturwerkstatt. Er appellierte für «Mut zur Erziehung», der sei abhanden gekommen.

Organisatoren zufrieden

Die Organisierenden sprachen von einem «vollen Erfolg» des Aktionstages. Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) zeigte Verständnis für den Protest, verteidigte aber die Sparvorschläge der Regierung.

Auch das Bildungswesen müsse seinen Beitrag zur Sanierung der Staatsfinanzen leisten, sagte sie vor den Medien.

Sie sei überzeugt, dass für die Schulkinder die Qualität nicht nachlasse. Hingegen sei zu befürchten, dass die Belastung für die Lehrerschaft steige. Die Bildungsdirektion hat allerdings vereinzelte Sparmassnahmen der regierungsrätlichen Projektgruppe bereits überarbeitet. Der Stellenabbau soll geringer ausfallen, als ursprünglich geplant.

swissinfo, Brigitta Javurek

Am Freitag fanden in verschiedenen Zürcher Gemeinden Protestaktionen der Lehrkräfte statt.

Mehr als die Hälfte der Zürcher Lehrerinnen und Lehrer haben sich gemäss den Organisatoren beteiligt, das Mitmachen von rund 6000 Volksschul-Lehrkräfte sei ein «voller Erfolg».

Die Lehrkräfte bekämpfen das Sparprogramm der Regierung.

Sie befürchten durch die Vergrösserung der Schulklassen oder Kürzungen bei Stütz- und Fördermassnahmen sowie dem Abbau von Handarbeits- und Religionsunterricht einen massiven Qualitätsabbau.

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