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G-8-Gipfel zu Ende: Differenzen, Gewalt und ein Toter

Ohne Einigung über den Klimaschutz ist am Sonntag (22.07.) in Genua der G-8-Gipfel zu Ende gegangen. Die Differenzen zwischen US-Präsident George W. Bush und dem Rest der Gipfelteilnehmer wurden in der dreitägigen, von gewaltsamen Protesten überschatteten Konferenz nicht ausgeräumt.

In der Abschlusserklärung bekundeten die grossen Acht lediglich den Willen, Belange des Umweltschutzes und der Wirtschaft unter einen Hut zu bringen. Bushs umstrittene Raketenpläne wurden in der Erklärung überhaupt nicht erwähnt.

Kyoto-Protokoll weiterhin umstritten

«Es gibt derzeit Uneinigkeit über das Kyoto-Protokoll und seine Ratifizierung», räumten die sieben grössten Industrienationen und Russland in ihrer Abschlusserklärung ein.

Auf der Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner in der Klimafrage betonten sie: «Unsere Bemühungen müssen letztlich zu einem Ergebnis führen, das die Umwelt schützt und ein Wirtschaftswachstum sicherstellt, das kompatibel mit unserem gemeinsamen Ziel einer nachhaltigen Entwicklung für die jetzige und künftige Generation ist.»

Hinter den Kulissen hatte vor allem der französische Präsident Jacques Chirac die Regierungschefs aus Kanada und Japan, Jean Chretien und Junichiro Koizumi, gedrängt, nicht dem amerikanischem Druck nachzugeben, sondern an Kyoto festzuhalten.

Raktentabwehr und Globalisierung

Politisch umstritten wie Bushs Ausstieg aus Kyoto blieben auch seine Pläne zum Aufbau einer nationalen Raketenabwehr. Dieses Thema sollte noch einmal am Nachmittag nach dem offiziellen Ende des Gipfel bei einem Treffen Bushs mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zur Sprache kommen.

In Wirtschaftsfragen setzten sich die Gipfelteilnehmer für eine neue globale Handelsrunde ein. Ob es dabei Fortschritte in dem Streit gab, welche Themen genau in diesen Verhandlungen eingeschlossen werden sollen, war nicht ersichtlich. Ausserdem setzten sich die G-8 für mehr Lebensmittelsicherheit, einen besseren Zugang von Entwicklungsländern zu den Märkten der Industriestaaten und grössere Anstrengungen zur Bekämpfung von Aids ein.

Ein Toter, über 430 Verletze

Überschattet wurde der Gipfel in Genua von gewaltsamen Protesten von Globalisierungsgegnern, bei denen ein Demonstrant von einem Polizisten erschossen wurde. Insgesamt wurden bei den Strassenschlachten zwischen Demonstranten und Polizei über 430 Menschen verletzt.

Zahlreiche Demonstranten wurden festgenommen, darunter zwei Schweizer. Laut Eidgenössischem Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) war eine der beiden verhafteten Personen wegen leichteren Verletzungen in Genua in Spitalpflege.

In Zürich verursachte in der Nacht auf Samstag ein Anschlag mit Feuerwerkskörpern auf das italienische Tourismusbüro geringen Sachschaden. Die Verantwortung für die Tat übernahm die Bewegung «Für eine Revolutionäre Perspektive».

Nächstes Jahr in Kanada

Nach italienischen Angaben wird der G-8-Gipfel im nächsten Jahr in einem Naturpark der kanadischen Provinz Alberta stattfinden. Dann soll die Gesamtzahl aller Delegationsmitglieder auf 400 Leute begrenzt werden.

swissinfo und Agenturen

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