Kulturelle Brücke ins Baltikum
Bundespräsident Moritz Leuenberger traf am Donnerstag (19.07.) seinen Freund, den estnischen Präsidenten Lennart Meri. Die beiden betonten in der Hauptstadt Tallinn die Wichtigkeit der bilateralen Beziehungen der beiden Länder unabhängig von einem EU-Beitritt.
«Ich habe mich so gefreut auf den Besuch, dass mein Flugzeug eine halbe Stunde zu früh angekommen ist», sagte Leuenberger nach einem fast einstündigen Gespräch mit Meri.
Estland und die Schweiz fühlen sich als «kleine europäische Länder» besonders eng miteinander verbunden, erklärten die Präsidenten beider Staaten. Moritz Leuenberger meinte, kleine Länder hätten es besonders schwer, ihre eigene Identität auszubilden.
Er würdigte den estnischen Präsidenten, den er dieses Jahr bereits am Forum von Davos und vor wenigen Wochen in Zürich getroffen hatte, als jemanden, der seinem Land eine Identität gegeben habe, indem er sich kulturell dafür eingesetzt habe. Überhaupt betonten die beiden Präsidenten die Bedeutung der Kultur.
Bedeutung der Kultur
«Die erste Brücke zwischen zwei Ländern ist die kulturelle Brücke», sagte Leuenberger. Kultur habe Estland in die Freiheit geführt. «Deshalb trennen wir in unseren Gesprächen die Kultur und die Politik bewusst nicht.»
Wichtig sei aber auch der Kontakt zwischen Estland und der Schweiz als zwei Länder mit denselben Problemen und mit Minderheiten. Leuenberger betonte, wie vorbildlich Estland mit der russischen Minderheit umgegangen sei.
Bilaterale Beziehungen
Nach Ansicht der beiden Präsidenten wird die Bedeutung der bilateralen Beziehungen auch nicht abnehmen, sollte Estland dereinst EU-Mitglied sein. (2002 sollen die Verhandlungen abgeschlossen werden, allerdings ist eine Mehrheit der Esten EU- skeptisch.)
Der estnische Präsident Lennart Meri sagte, er sehe «Europa als ein ganzes System, welches kleines Länder unterstützt». Zwischen der Schweiz und Estland bestünden besondere Möglichkeiten der Zusammenarbeit im Wirtschaftsbereich.
Leuenberger war am Mittag in Tallinn angekommen und mit militärischen Ehren und rotem Teppich empfangen worden. Danach traf er sich mit Meri auf dessen Amtssitz Schloss Kadriorg. Am Nachmittag war die Wiedereinweihung des Schweizer Lesesaals in der estnischen Nationalbibliothek und ein Treffen mit Ministerpräsident Mart Laar angesagt.
swissinfo und Agenturen
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