Nepal/Schweiz: Krisendispositiv weiter in Kraft
Nach dem Königsmord von Nepal haben die vom neuen Herrscher versprochenen Ermittlungen wegen eines Parteien-Streits noch nicht begonnen. Unterdessen haben angebliche Augenzeugen Kronprinz Dipendra erneut als Amokläufer und Königsmörder beschuldigt und der Gerüchteküche Auftrieb gegeben. Die Schweiz wartet weiterhin ab und analysiert die Lage.
Für die 200 Schweizerinnen und Schweizer in Nepal bleibt das eingeleitete Krisen-Dispositiv in Kraft, bis sich die unübersichtliche politische Lage im Himalaya-Königreich klärt. Das Aussenministerium in Bern rät insbesondere während der 13-tägigen Staatstrauer von Reisen dringend ab.
Evakuierung vorderhand kein Thema
Für den Fall einer weiteren Verschärfung der Lage bestehe nach wie vor ein Notfall-Konzept, das die Ausreise der Schweizerinnen und Schweizer gemeinsam mit den in Nepal ansässigen EU-Bürgern vorsehe. Vorderhand ist nach Auskunft des EDA eine Evakuation jedoch kein Thema.
Folgen für die Entwicklungshilfe
Fest steht, dass negative Auswirkungen auf die Schweizer Entwicklungs-Zusammenarbeit praktisch vorprogrammiert sind, wenn sich die Lage weiter destabilisiert. Was das genau heisst, kann im Augenblick allerdings niemand genau sagen. Sarah Grosjean vom DEZA-Informations-Dienst betont, gegenüber swissinfo, dass die Devise weiterhin «abwarten und analysieren» heisse.
Über 50 Jahre Schweizer Hilfe
Nepal ist traditionall ein Schwerpunkt-Land der schweizerischen Entwicklungshilfe. Die ersten Projekte waren Käsereien und Hängebrücken. Später engagierte sich die Schweiz zusätzlich in Bereichen wie Aufforstung, Ausbildung, Gewerbe und Gesundheit.
Heute vier Hauptakzente
Laut Sarah Grosjean setzt die DEZA bei der Entwicklungs-Zusammenarbeit vier Schwerpunkte: Ausbau der Transport-Infrastruktur, Förderung von Berufsbildung und Gewerbe, nachhaltige Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen, sowie – neu – ‚Good Governance‘, das heisst Bemühungen um Dezentralisierung, Demokratisierung, Menschenrechte und Korruptions-Bekämpfung.
20 Millionen pro Jahr
Nepal steht mit rund 20 Mio. Franken an öffentlicher Entwicklungshilfe pro Jahr an der Spitze der schweizerischen Hilfe-Empfänger. Die staatliche DEZA arbeitet eng mit privaten Hilfswerken – vorab Helvetas und Intercorporation – zusammen.
Monika Lüthi und Agenturen
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