Peter Regli: Wann traf er sich mit «Doktor Tod»?
Schweizer Radio DRS hat unbekannte Telefonnotizen über den früheren Geheimdienstchef Peter Regli veröffentlicht. Wieder wird eine Untersuchung "geprüft".
Gemäss den Radio DRS vorliegenden Telefonnotizen des AC-Labors in Spiez war Regli bereits Anfang 1988 an den Vorbereitungen für ein Treffen bei der Gruppe Rüstung in Bern zwischen Vertretern des AC Labors Spiez sowie dem Leiter des geheimen südafrikanischen Chemiewaffenprojektes, Wouter Basson (alias Doktor Tod), und dem südafrikanischen Polizeigeneral Lothar Neethling, beteiligt. Regli will jedoch – nach eigenen Aussagen – Basson erst um 1990 kurz getroffen haben.
Regli hat sich gemäss den Telefonnotizen persönlich um die südafrikanischen Gäste gekümmert. «Man müsse an ihn melden, wohin der Transport zu erfolgen habe», heisst es laut Radio auf einer Aktennotiz des damaligen Chefs der Fachsektion Chemie und Biologie im AC-Labor. Gemäss den Telefonnotizen hat Regli kein Verständnis für Bedenken des AC Labors Spiez gezeigt, die Südafrikaner zu empfangen.
Regli kann sich nicht erinnern
Der Sprecher des Verteidigunsministeriums, VBS, Oswald Sigg bestätigte auf Anfrage, dass der Inhalt der Telefonnotizen korrekt wieder gegeben sei. Es gehe eindeutig daraus hervor, dass Regli bereits 1988 einen Besuch von Basson und Neethling mitorganisiert habe.
Der Fall sei im VBS noch neu. Ob eine Untersuchung eingeleitet wird, will das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport am Freitag bekannt geben.
Das besagte Treffen figuriert auch im Bericht der Delegation der Geschäftsprüfungskommission (GPD) zu den Beziehungen des Nachrichtendienstes zu Südafrika von Ende 1999. Gemäss den damaligen Erkenntnissen hatte Regli an der Besprechung nicht teilgenommen, aber angerufen und sich erstaunt gezeigt, dass die Besucher nicht in Spiez im AC-Labor empfangen wurden.
Regli will sich selber an dieses Telefongespräch nicht mehr erinnern. Über das Treffen mit Neethling und Basson von 1988 existiert gemäss GPD eine handschriftliche Aktennotiz eines Mitarbeiters der Gruppe Rüstung. Darin befinde sich die abschliessende Wertung, dass das «Drum und Dran zum Besuch verworren» sei.
Doktor Tod nur einmal empfangen
Regli will Basson und Neethling lediglich einmal zwischen Sommer 1990 und Herbst 1991 in seinem Büro im Bundeshaus in Bern empfangen haben. Die genauen Funktionen der beiden Gesprächspartner seien ihm dabei nicht bekannt gewesen.
Das VBS gibt am Freitagnachmittag in Bern die Erkenntnisse und Konsequenzen aus den bisherigen Abklärungen in der Affäre Regli bekannt. Es geht dabei einerseits um die Beziehungen des Nachrichtendienstes zu Südafrika in Bezug auf das geheime Chemiewaffenprojekt von Basson (geforscht wurde unter anderem an einem Gift, das nur gegen Schwarze wirkt), sowie die Aktenbewirtschaftung durch den Nachrichtendienst.
swissinfo und Agenturen
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