Tage der offenen UNO-Türen
Am Wochenende hatte die Schweizer Bevölkerung Gelegenheit, die Tätigkeiten am europäischen UNO-Hauptsitz in Genf kennen zu lernen. Das Interesse war gross. Auch swissinfo hat sich auf den Weg durch die Hallen und Korridore des UNO-Gebäudes gemacht.
«Ich konnte Ogi die Hand schütteln», erklärt eine Elfjährige stolz. Sie war mit ihrer Mutter, ihrem Bruder und einer Freundin nach Genf gereist. «Unsere Französisch-Lehrerin hat uns auf diesen Anlass aufmerksam gemacht. Ich finde es spannend hier.» Das Mädchen ist ein Fan von Ex-Bundesrat Adolf Ogi, der als UNO-Sonderbotschafter für Frieden und Sport an der Eröffnungs-Zeremonie dabei war.
Auch die Mutter des Mädchens ist von Genf und von der Atmosphäre im «Palais» begeistert: «Als ich hier ankam, hatte ich das Gefühl in Manhattan zu sein. Wie dort sieht man auch hier Angehörige verschiedener Nationen, Schwarze und Inder, das ist meine Welt, das gefällt mir.»
Spezielle Sicherheitsmassnahmen
Wie auf einem Flughafen mussten die Besucherinnen und Besucher beim Eingang einen Metalldetektor passieren und die Identitätskarte zeigen. Infolge der Anschläge in den USA und dem Attentat in Zug ist man noch vorsichtiger geworden.
«Wir können nicht ausschliessen, dass der «Palais des Nations» zum Ziel eines Anschlags gewählt würde», sagte ein Polizist der Genfer Polizei für Internationale Sicherheit gegenüber swissinfo. «Die UNO ist ein Symbol. Hier verkehren Leute aller Nationalitäten und Konfessionen.»
Tausende kommen – trotz mangelhafter Publicity
Vier Stunden nach Toröffnung verzeichnete die Eingangskontrolle bereits 2’000 Besucherinnen und Besucher. Viele waren aus der Deutschschweiz angereist, obwohl die Deutschschweizer Presse nur marginal über den Anlass im andern Landesteil informierte und obwohl die Bundesbahn ihre Aktion für verbilligte Tickets schlecht kommuniziert hatte. «Zum Glück wurde nicht zu viel Reklame gemacht, sonst kämen zu viele Leute», meinte ein Besucher aus Zürich.
Einsatz für eine gerechtere und tolerantere Welt
Der «Palais des Nations» ist riesig. 800 Meter lang ist die Fassade. 3’800 Menschen arbeiten hier in 1’600 Büros für verschiedene UNO-Organisationen, die sich um Menschenrechte, Umwelt, Entwicklung, Bildung, Gesundheit und humanitäre Einsätze kümmern.
Für den Besucher, die Besucherin war es dank markierter Wege nicht schwierig, sich zurecht zu finden. Sie konnten sich an verschiedenen Ständen und Terminals über die Arbeiten der internationalen Organisation informieren.
Wunderschöner Sitz
Auch wenn die Aufgaben der Vereinten Nationen schwierig sind, der Zustand der Erde ernst, die gegenwärtige Verunsicherung gross, zeigte sich das Innere des «Palais» in einer äusserst friedlichen und lockeren Atmosphäre: Es gab Musik zu hören, zum Beispiel aus Afrika oder der Schweiz, es hatte Lego-Ecken für Kinder, Fotoausstellungen, Essen und Trinken. Die Menschen bewegten sich in Gruppen oder zu zweit, schlenderten durch die grosszügigen Gänge und Räume.
Und wer genug hatte, konnte an diesem milden Herbstwochenende auf die Treppen vor dem «Palais» an die Sonne sitzen und auf den Lac Léman bis nach Frankreich blicken oder in der grosszügigen Parkanlage spazieren gehen.
Noch fehlt die Schweiz
Keine Zeit zum Schlendern hatte Adhit Forrer. Er wirbt als Mitglied der «Gesellschaft Schweiz UNO» für einen Beitritt der Schweiz zu den Vereinten Nationen, denn nebst dem Vatikan ist nur noch die Schweiz nicht Mitglied der UNO. Die Schweizer Bevölkerung wird am kommenden 3. März über eine Mitgliedschaft abstimmen. «Die Leute, die hier vorbei kommen, sind an einem Beitritt interessiert. Gegner sind mir bis jetzt noch keine begegnet.»
Gaby Ochsenbein
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