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Untreue Thurgauer und Bündner

In Graubünden und im Thurgau waren 1999 die Wahlen stärker als sonstwo in der Schweiz Persönlichkeits-Wahlen. Keystone Archive

Die Bündner und Thurgauer panaschierten bei den Nationalrats-Wahlen 1999 am meisten - und outeten sich damit als parteiungebunden.

Beim Panaschieren setzen Wähler auf die vorgedruckten Parteilisten Namen von Kandidatinnen und Kandidaten anderer Parteien.

Je weniger eine Liste durch panaschieren abgeändert wird, desto stärker ist die Parteidisziplin. Grosse Panaschierstimmen-Anteile auf einer Liste bedeuten dagegen eine parteiungebundene Wählerschaft.

Aus einer Expertise des Bundesamts für Statistik über das Panaschier-Verhalten 1999 geht hervor, dass in der Schweiz von Wahl zu Wahl mehr panaschiert wird. In Graubünden und im Thurgau waren je 29,8 Prozent der Gesamtstimmen panaschiert, im Kanton Zürich nur 8,1 Prozent.

Bern und Aargau lagen mit Anteilen von 19,2 und 20,4 Prozent etwa im Mittelfeld, wie aus einer am Donnerstag in «Bund» und «NZZ» publizierten Zusammenfassung der Studie hervorgeht.

Parteitreue SVP-Wähler

Am meisten Parteidisziplin legte die Wählerschaft der SVP an den Tag: In Zürich beispielsweise wurden die SVP-Listen West und Ost, in Bern die SVP-Männerliste am wenigsten panaschiert. Generell am meisten panaschiert wurde auf den Listen der Grünen.

Während SVP-Listen am ehesten mit Kandidaten der Schweizer Demokraten panaschiert wurden, panaschierten SP-Wählende vor allem mit Grünen und umgekehrt. In Zürich zeigten SP-Wählende auch Sympathien für die FDP.

Blocher nur Fünfter

In Zürich erhielten Trix Heberlein (FDP), Ruth Genner (Grüne), Lily Nabholz (FDP) und Ursula Koch (SP) die meisten Panaschier-Stimmen. Erst an fünfter Stelle folgte SVP-Nationalrat Christoph Blocher.

In Bern waren die vier Bestplatzierten punkto Panaschier-Stimmen Ruedi Baumann (Grüne), Alexander Tschäppät und Simonetta Sommaruga (beide SP) sowie Marc Suter (FDP).

Albrecht Rychen erhielt zwar auf der SVP-Männerliste die meisten Panaschier-Stimmen, doch verlor er im parteiinternen Wettbewerb so viele Stimmen, dass es ihm für die Wiederwahl nicht mehr reichte.

swissinfo und Agenturen

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