Appell für tolerante Schweiz
"Wir stehen hin": Unter diesem Motto ruft das Aktionskomitee "Appell für eine tolerante Schweiz" zum Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit und die "18- Prozent- Initiative" auf. Es fordert darüber hinaus aber eine generell neue Ausländerpolitik.
Den Appell haben bisher rund 500 Personen aus Politik, Kultur, Kirchen, Sport und Hilfswerken unterschrieben. Darunter sind Bundesrat Moritz Leuenberger, drei Dutzend Bundesparlamentarier, Pipilotti Rist, Fussballtrainer Andy Egli und die Kabarettisten César Keiser und Margrit Läubli.
Unterstützt wird das Komitee von der Sozialdemokratischen Partei, den Grünen und den Gewerkschaften sowie vom evangelischen und katholischen Frauenbund, den Frauen für den Frieden, der GSoA und der Aktion Finanzplatz Schweiz.
Gegen den Fremdenhass
Das ausserparlamentarische Komitee kämpfe für ein unmissverständliches Nein gegen die siebte Überfremdungsinitiative seit 1964, die am 24. September zur Abstimmung kommt, erklärten die Organisatoren am Mittwoch (16.08.) vor den Medien in Bern.
Darüber hinaus sei es aber längerfristiges Ziel des Appells, einer Fremdenfeindlichkeit entgegenzutreten, die auch in der Schweiz seit den Messerstecher-Inseraten und der Anti-Asylanten-Hetze rechtsbürgerlicher Kreise wieder salonfähig geworden sei.
Nationale Image-Kampagne
Die Unterzeichnenden fordern eine Ausländerpolitik, die den Menschenrechten und nicht nur der Wirtschaft verpflichtet ist und die eine umfassende Integration und die erleichterte Einbürgerung fördert.
Unterstrichen wird der Appell mit einer nationalen Image-Kampagne zugunsten der ausländischen Bevölkerung. So zeigt eines der Plakate einen bunten Früchtekorb mit dem Slogan «Nicht alles wächst im eigenen Garten».
Willkürliche Grenzziehung
Wie künstlich die Grenzziehung zwischen In- und Ausländern ist, zeigte Christiane Brunner auf. Von den 1,38 Millionen in der Schweiz ansässigen Ausländerinnen und Ausländern seien 310’000 in der Schweiz geboren, weitere 150’000 lebten seit über dreissig Jahren hier. Fast die Hälfte der ausländischen Wohnbevölkerung lebe also schon seit Jahrzehnten mit den Schweizern zusammen, betonte die Genfer SP-Ständerätin.
Für Nationalrätin Cécile Bühlmann (LU/GP) ist die «18-Prozent-Initiative» nicht nur willkürlich, sondern auch rassistisch, indem sie vom Gedanken ausgehe, dass «der einheimischen Mehrheit nicht mehr als eine bestimmte Dosis Fremde zugemutet werden» könne. Damit folge die Initiative der Lehre von der Ungleichheit der Menschen und damit von Herrenrassen und Untermenschen, warnte sie.
Mit dem «Appell für eine tolerante Schweiz» kämpfen nun zwei Komitees gegen die «18-Prozent-Initiative». Auf parlamentarischer Ebene besteht bereits ein überparteiliches Komitee «Nein zur starren 18-Prozent-Initiative», dem 181 Abgeordnete angehören.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch