Der US-Botschafter geht
Der US-Botschafter in der Schweiz, Mercer Reynolds, verlässt Ende März seinen Posten.
Spekulationen in den Medien, wonach er für die Kampagne zur Wiederwahl von Präsident Bush in die USA zurückkehre, wies er jedoch zurück.
«Ich habe viele geschäftliche Verpflichtungen und muss deshalb heimreisen», erklärte Reynolds gegenüber swissinfo.
«Ich bedauere meine Abreise, sie kommt früher als vorgesehen. Ich hatte gehofft, beim Besuch des Präsidenten im Juni noch da zu sein. Das wäre der Höhepunkt meiner hiesigen Karriere gewesen», fügte er an. Reynolds war erst 18 Monate im Amt und wäre gerne bis Ende Jahr hier geblieben.
Seine vorzeitige Abreise führte zu Spekulationen in der Schweizer Presse, wonach Bushs langjähriger Freund und früherer Geschäftspartner in die USA zurückgerufen werde, weil nächstes Jahr wieder Präsidentschaftswahlen anstehen.
Politische Verbindungen
Reynolds hatte am 11. September 2001 Richard Fredericks abgelöst – genau am Tag der Anschläge auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington.
Bern war sein erster diplomatischer Posten, zuvor war er in der Wirtschaft tätig. Aber er fand den Übergang nicht schwierig, da seine Erfahrungen in der Geschäftswelt ihm während seiner Zeit in der Schweiz geholfen hätten, wie er ausführte.
«Es ist wie Geschäftsführung», erklärte er. «Man führt nur eine andere Art von Geschäft – hier ist es das Geschäft der Diplomatie.»
Laut Reynolds gab es immer starke geschäftliche Verbindungen zwischen der Schweiz und den USA – letztes Jahr war die Schweiz eine der grössten Investoren in den USA. Es sei ihm aber primär wichtig gewesen, die diplomatischen Verbindungen zwischen den beiden Ländern zu stärken. Dies habe seine Amtszeit in Bern charakterisiert, betonte Reynolds.
«Als ich ankam, hatte ich das Gefühl, dass die geschäftlichen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern fantastisch waren», sagte er. «Die diplomatischen Beziehungen hingegen – die Beziehungen zwischen den Regierungen – mussten tatsächlich verstärkt werden, da die Schweiz unterdessen auch Mitglied der Vereinten Nationen ist und auf dem internationalen Parkett ihre Rolle spielt.»
Präsidialer Besuch
Die Zusammenarbeit auf Regierungsebene sei mit über einem Dutzend hochrangiger Besuche in den letzten 18 Monaten viel intensiver geworden, sagte Reynolds. Der Höhepunkt werde das Treffen Bushs mit dem Schweizer Bundespräsidenten Pascal Couchepin diesen Sommer sein.
«Es wird mehr sein als ein Händedruck», ist Reynolds überzeugt. «Es wird eine echte Diskussion darüber sein, wie die Schweiz und die USA sich näher kommen und ihre bilaterale Zusammenarbeit auf Präsidentenebene stellen könnten.»
Laut Reynolds soll der Besuch im Juni den Respekt für die Unterstützung ausdrücken, welche die Schweiz der US-Regierung im Kampf gegen den Terrorismus bietet.
Krieg vermeiden
Diese Gefühle des Respekts, meint Reynolds, würden auch in Bezug auf die schweizerische Neutralitätspolitik gelten. Die starke Opposition in der Schweizer Öffentlichkeit gegen einen möglichen Krieg in Irak ist laut Reynolds Worten Teil des demokratischen Prozesses, mit dem Recht auf Redefreiheit und dem Recht zu protestieren.
Er habe in seinen 18 Monaten in Bern keine Feindseligkeit und keine Verstimmung gegen sich selbst oder die USA festgestellt, sagte er. Und fügte bei, dass ein Krieg noch immer vermeidbar sei.
«Ich glaube nicht, dass irgendjemand für den Krieg ist, ganz sicher nicht die USA», so Reynolds. «Eigentlich wollen wir Frieden – wir wollen, dass Saddam abrüstet und zwar sofort und ganz offen. Wenn er das tut, gibt es keinen Krieg in Irak.»
swissinfo, Jonathan Summerton
(Übertragung aus dem Englischen: Charlotte Egger)
Mercer Reynolds hat seinen Rücktritt eingereicht, er verlässt seinen Posten in Bern Ende März.
Der 58-jährige Reynolds – ein enger Freund von Präsident Bush – löste im September 2001 Richard Fredericks ab.
Zuvor war Reynolds von 1979 bis 2001 in einer von ihm mitbegründeten Investmentgesellschaft tätig gewesen.
Reynolds und sein damaliger Geschäftspartner William DeWitt gehören zum exklusiven Club der Regents. Dazu zählen jene Wahlkampfhelfer, die mehr als 250’000 Dollar für die Wahlkampagne der Republikaner aufbrachten.
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